Von Anne Preissner und Claus G. Schmalholz
Wer kann Cloud Computing nutzen?
Mehr als zehn Millionen Geschäftskunden browsen bereits im Google-Reich, um ihre Office-Anwendungen zu erledigen. Täglich kämen bis zu 3000 kleine und mittelgroße Unternehmen hinzu, sagt Google-Enterprise-Manager Matt Glotzbach. Unter dem Dach von Amazon tummeln sich zahlreiche Großkonzerne, darunter Philips
und Eli Lilly. Mehr als 51.000 Firmen, darunter Starbucks
und Dell, die japanische Post und Siemens
, vertrauen auf die "Software as a Service"-Angebote von Salesforce.com. In der Regel abonnieren Firmen für einen bestimmten Zeitraum Programme und verknüpfen sie mit ihren vorhandenen Anwendungen.
Welche Vorteile bietet Cloud Computing?
Wer flexible Rechnerleistung aus dem Web erwirbt, spart den Kauf, die Installation und die Wartung neuer Programme und Computerserver. Firmen können sporadisch benötigte Computerpower aus dem Netz beziehen und ihre IT-Abteilungen abspecken. Auch teure Softwarepakete mit selten oder nicht benutzten Programmen lassen sich durch preiswerte Mietsoftware ersetzen. Neben Kostenvorteilen schätzen Firmenkunden die Flexibilität der Cloud-Lösungen.
Sowohl DB Advisors, der Vermögensverwalter der Deutschen Bank
, als auch der Kölner Werkzeugmaschinenhersteller Schütte setzen im Kundenmanagement auf die Wolkensoftware von Salesforce.com. Die Einführung der neuen Systeme gehe schneller als bei traditionellen Konkurrenzprodukten, loben Cloud-Nutzer. Weil Anbieter wie Google, Amazon und Salesforce.com ihre Technologieplattformen verzahnen, haben Unternehmen Zugriff auf eine Vielzahl neuer Anwendungen.
Welche Risiken birgt Cloud Computing?
Wenn Firmen die Hoheit über ihre IT an Google und Co. weiterreichen, steigt - logisch - ihre Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Zudem wächst beim Überschreiten der Firmen-Firewall das Sicherheitsrisiko. "Unternehmenskritische Anwendungen sollten nicht ins Web ausgelagert werden", rät Peter Wesche, Research Director beim IT-Berater Gartner. Lutz Heuser, Leiter der Forschungsabteilung bei SAP, warnt: "Die Verfügbarkeit der Rechner bei Spitzenbelastungen ist oft nicht gewährleistet, bei den geschäftskritischen betrieblichen Anwendungen werden enorme Datenmengen ausgetauscht; dafür sind viele Angebote nicht geeignet."
Auch die Rückkehr aus der Wolke kann sich als problematisch erweisen: Eigenes IT-Know-how ist nicht mehr vorhanden, und alternative Anbieter sind - noch - nicht in der Lage, die vorhandenen Anwendungen weiter zu pflegen.
Umso wichtiger ist es, die Solidität des Cloud-Anbieters vorab zu prüfen: Welche Kunden hat er, wie zufrieden sind sie, wie stabil ist sein Netz, welche Sicherheitsstandards werden eingehalten? Für ganz Vorsichtige, die dem Web misstrauen, bieten IT-Dienstleister wie T-Systems Cloud-Lösungen in ihrem geschlossenen Computernetzwerk an.