04.02.2009
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Still und leise

Bertelsmann ohne Hausmusik

Von Klaus Boldt

2. Teil: "Auf alte Stärken besinnen"

Das Werk vollendet hat der frühere WDR-Chefredakteur, "Stern"-Herausgeber, CLT-Ufa-Premier und BAG-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz (60). Vor drei Jahren hatte er die Leitung der Firma übernommen und sie von Grund auf wieder hergerichtet.

Ganz lässig: Stardirigent Schmidt-Holtz in seinem New Yorker Büro
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Charly Kurz

Ganz lässig: Stardirigent Schmidt-Holtz in seinem New Yorker Büro

Schmidt-Holtz steht in jener Tradition, die die BAG und ihre Manager einst berühmt gemacht hat: ausgebufft, angriffslustig, gewieft und eitel genug, um das Inhaltegeschäft und jene Kreativen und Exzentriker zu verstehen, denen man im Medienwesen zwangsläufig so häufig begegnet. Sony-Chef Howard Stringer hat ihn kürzlich mit einem frischen Dreijahresvertrag ausgestattet. Und man fragt sich natürlich, warum die BAG keine Verwendung mehr für ihren früheren Mitstreiter hatte.

Er sei "sehr dankbar für die Möglichkeiten", die ihm Bertelsmann eröffnet habe, sagt Schmidt-Holtz. Er verleiht aber auch seiner Hoffnung vielsagenden Ausdruck, dass sich die Gütersloher "künftig auf ihre alten Stärken besinnen: die Liebe zu Inhalten, den Respekt vor kreativen Köpfen und dass erst dann Portfolioüberlegungen eine Rolle spielen".

Tatsächlich glauben Branchenkenner, dass sich das Risiko für die BAG gelohnt hätte, noch ein halbes Jahr mit dem Ausstieg zu warten, ob sich das Musikgeschäft nicht doch erhole, selbst auf die Gefahr hin, dann vielleicht 50 Millionen Dollar weniger zu erlösen. Sony BMG war Zeit seines vierjährigen Bestehens ein empfindliches Gefüge, nicht nur wegen der verwirrenden japanisch-amerikanisch-deutschen Firmenkultur und der miserablen Marktbedingungen.

Namentlich der bei Bertelsmann für das Musikgeschäft zuständige Finanzvorstand Thomas Rabe (43) erfreute sich bei den Geschäftspartnern nur eingeschränkter Beliebtheit. Nie haben es ihm die stolzen Japaner verziehen, dass er sie in einer Sitzung der Manipulation von Marktanteilszahlen ("fictitious figures") bezichtigt habe. Und auch bei den Ausstiegsverhandlungen war es zu einer unschönen Szene gekommen, als Sony-Leute den Rabe-Mitarbeiter Maximilian Dressendörfer erwischten, der sich unbefugterweise Zugang zu passwortgeschützten Dateien verschafft hatte (offenbar um die Bewertung von Katalogrechten zu studieren). Die Japaner empfanden die Schnüffelei als Vorstufe zur Betriebsspionage.

Dressendörfer bat später schriftlich um Entschuldigung. Seine ungenehmigte "Abfrage" habe der "Sondierung einer sowohl vertraulichen als auch spezifischen Frage zwischen den Gesellschaftern" gedient, "die sich eben aus diesen Gründen zunächst nicht auf eine Einbeziehung des Joint Ventures einigen konnten". Welche Gründe er meint, ist schleierhaft. Es werden dieselben gewesen sein, weshalb man ihm den Zugang verwehrt hatte.

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