Von Klaus Boldt
Im August nahm die Bertelsmann AG (BAG) Abschied von dem Musikkonzern Sony BMG, einer stattlichen Erscheinung, die ihr zur Hälfte gehörte, und nicht wenigen in Gütersloh blutete das Herz dabei: Denn mit der Musik, in Sonderheit mit dem Label Ariola, das man gern behalten hätte, das aber nun auch in fremde Hände übergeht, hatte vor 50 Jahren vieles begonnen, nicht zuletzt die Glanzzeit der Bertelsmann AG als moderner Unterhaltungsmulti.
Das Gemeinschaftswerk, das Ende 2008 aus den Handelsregistern getilgt wurde, war 2004 von Sony
Gründe für den Ausstieg lassen sich zur Genüge finden: Der Absatz von CDs fällt seit Jahren gleichsam ins Bodenlose, die Einnahmen aus dem Digitalvertrieb gleichen den Schwund bei Weitem nicht aus. Man sagt, dass heute nur eines schlimmer sei als der Besitz eines Musikkonzerns: der Besitz eines halben.
Aber es sprechen auch gewichtige Gründe für einen Verbleib: Die BAG gibt eine Weltmarktposition auf, von denen sie nicht allzu viele besitzt. Und auch der Erlös von 900 Millionen Dollar ist als Verkaufsargument nur bedingt tauglich. Den milliardenhoch verschuldeten Westfalen verschafft er nach allen Abzügen kaum zusätzliche Bewegungsfreiheit.
Sony-Manager zeigen sich beschwingt und heiter: Bertelsmann habe den Musikkonzern nur mit dem 4,7-Fachen des Ebitda (2007) bewertet, was mehr als anspruchslos gewesen sei. 86 Prozent des Kaufpreises kann die Musikfirma bis März 2009 allein mit ihren Einnahmen begleichen. Dies geht aus einer internen Aufstellung hervor. Nur 126 Millionen Dollar muss Sony dazubezahlen.
In der Tat gilt Sony BMG als bestgeführtes Unternehmen der notleidenden Branche. Die Einnahmen sinken zwar im laufenden Geschäftsjahr (31. März) von 3,85 auf voraussichtlich 3,6 Milliarden Dollar, und auch der Plan wird nicht erfüllt. Doch der Gewinn ist mit über 300 Millionen Dollar beträchtlich, die Umsatzrendite (über 8 Prozent) höchst erstaunlich. Tatsächlich gehört die Musiksparte zu den profitabelsten Geschäftszweigen von Sony.
© manager magazin 1/2009
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