Von Henrik Müller
mm: Was bedeutet das für die Wirtschaft insgesamt?
Persaud: Wir müssen uns auf eine lange Phase schwachen Wachstums einstellen. Wegen der Kombination aus hoher Staatsverschuldung und repressiver Finanzmarktregulierung wird das Kapitalangebot für die Privatwirtschaft schmal sein. Und genau das wird letztlich zu steigender Inflation führen, gerade in den USA und in Großbritannien, wo derzeit alle Hemmungen gefallen sind, was staatliche Ausgabenprogramme angeht. In Kontinentaleuropa, zumal in Deutschland, scheinen die Regierungen vorsichtiger zu sein.
mm: Letzter Ausweg Geldentwertung?
Persaud: So sieht es aus. Um das Wachstum anzukurbeln, werden die Regierungen auf eine expansive Geldpolitik setzen. Sie werden versuchen, die gigantischen Schuldenlasten, die am Ende die öffentlichen Haushalte belasten, wegzuinflationieren. Den Vereinigten Staaten wird gar nichts anderes übrig bleiben, als Geld zu drucken. Und das wird sogar halbwegs populär sein, populärer jedenfalls als die Alternative: Steuererhöhungen. Eine junge, hoch verschuldete Gesellschaft wie die amerikanische findet Inflation attraktiver als höhere Steuern.
mm: Herr Persaud, wenn wir Sie richtig verstehen, sehen Sie als Folge der Finanzkrise eine radikal neue globale Wirtschaftsordnung: quasiverstaatlichte Finanzsektoren, gigantische Staatsschulden, schwaches Wachstum, Inflation ...
Persaud: ... jedenfalls in den angelsächsischen Ländern, ja ...
mm: ... und am Ende verliert der Dollar seine Rolle als wichtigste Reservewährung der Welt?
Persaud: Das ist wahrscheinlich.
mm: Wird der Euro den Dollar ersetzen?
Persaud: Da habe ich Zweifel. Euro-Land mag stabiler sein als die USA, aber die Bevölkerung altert rapide. Auf längere Sicht wird Europas Anteil am Weltsozialprodukt schrumpfen. All das spricht gegen den Euro. Letztlich wird man eine neue künstliche globale Reservewährung brauchen - eine neue Form der Sonderziehungsrechte. Es gibt keinen Zweifel, dass diese Krise weitreichende und anhaltende Folgen haben wird.