Freitag, 10. Februar 2012, 01:17 Uhr

manager magazin



09.03.2009
 

Wirtschaftskrise

"Unterdrückung der Banken"

Von Henrik Müller

Verstaatlichte Banken, schwaches Wirtschaftswachstum, hohe Schulden, weiche Währungen: Avinash Persaud sagt im Interview mit manager magazin eine lange Dürrephase voraus. Die Welt stehe am Beginn einer Ära der Düsternis, warnt der Finanzfachmann.

mm: Herr Professor Persaud, die Finanzkrise dauert bereits anderthalb Jahre. Notenbanken und Regierungen haben getan, was sie konnten. Aber die Banken misstrauen einander immer noch. Im Gegenteil, die Krise verschärft sich weiter. Wie lange wird dieser Zustand anhalten?

Avinash Persaud: Der 42-Jährige, geboren auf Barbados, gilt als einer der einflussreichsten Finanzmarkt-Vordenker. Mit seiner Londoner Firma Intelligence Capital berät er Unternehmen und Regierungen. Daneben engagiert sich der Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics sowie bei internationalen Organisationen wie der UN, der OECD und dem Währungsfonds.
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Avinash Persaud: Der 42-Jährige, geboren auf Barbados, gilt als einer der einflussreichsten Finanzmarkt-Vordenker. Mit seiner Londoner Firma Intelligence Capital berät er Unternehmen und Regierungen. Daneben engagiert sich der Wirtschaftsprofessor an der London School of Economics sowie bei internationalen Organisationen wie der UN, der OECD und dem Währungsfonds.

Persaud: Das weiß letztlich niemand, zumal die Finanzkrise längst in eine Wirtschaftskrise übergegangen ist. Ich fürchte, wir müssen uns auf einen in weiten Teilen verstaatlichten Finanzsektor einstellen. In absehbarer Zeit wird kaum etwas wieder werden, wie es war.

mm: Das klingt reichlich düster.

Persaud: Dieses Szenario ist doch längst Realität. Wenn ich Ihnen vor zwei Jahren gesagt hätte: Das deutsche Bankensystem wird zu großen Teilen verstaatlicht, hätten Sie mir vorgeworfen, dass ich nichts von Ihrem Land verstehe. Und so ist es überall: Weil die Banken sich untereinander kein Geld leihen, wenden sie sich an die Notenbanken, die inzwischen den Geldmarkt ersetzen. Die Notenbanken aber verschenken kein Geld, sondern sie verleihen es - die Banken müssen Vermögenswerte als Sicherheiten hinterlegen. Diese Sicherheiten sind inzwischen so knapp, dass die Regierungen in den vergangenen Monaten begonnen haben, die Banken zu rekapitalisieren. Faktisch haben wir längst einen verstaatlichten Bankensektor.

mm: Und Sie meinen, das wird auf Jahre so bleiben?

Persaud: Ich fürchte, ja. Für den Moment sehe ich keine Alternative zu massiver staatlicher Intervention. Und für die absehbare Zukunft gibt es keine Exit-Strategien.

mm: Nicht alle Regierungen zwingen ihre Banken unter die Rettungsschirme. In Deutschland etwa gibt es keine Pflicht zur Annahme von Staatsgeldern.

Persaud: Eine Regelung, die ich problematisch finde. Ich denke schon, dass der Staatseinstieg freiwillig sein sollte. Aber Regelungen wie die deutsche führen dazu, dass Banken erst einmal versuchen, ohne Hilfe über die Runden zu kommen. Ein späterer Einstieg steht ihnen ja offen. Unsicherheit und Misstrauen im Markt bleiben. Der Staat sollte deshalb für die Option zum späteren Einstieg eine Gebühr erheben - wer davon Gebrauch macht, sollte Staatsgelder zu schlechteren Konditionen bekommen. Abzuwarten hätte also seinen Preis. Dann wären die Anreize richtig gesetzt.

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