Von Dietmar Palan
An dieser bedrohlichen Gemengelage wird sich auch nichts ändern, solange Bruno Pfister, der Dörig im Mai an der Konzernspitze ablöste, keinen Ausweg aus dem MLP-Dilemma gefunden hat. Viele Möglichkeiten hat er allerdings nicht. Als Aktionär wäre die Swiss Life für MLP ohnehin nur akzeptabel, wenn sie ihren Anteil deutlich absenkte - das jedenfalls machte Schroeder-Wildberg dem Schweizer während eines Gesprächs Mitte Dezember klar.
Auf die Mehrheit bei der MLP-Hauptversammlung kann Pfister kaum hoffen, derzeit kommt er maximal auf etwas mehr als 29 Prozent der Papiere, und das auch nur, wenn man die 5 Prozent, die Berenberg seit Ende November hält, der Swiss Life zurechnet - die Gegenseite kontrolliert 41,13 Prozent. Sich zurückziehen und das Paket über die Börse losschlagen kann er ebenfalls nicht ohne Weiteres, weil er damit die MLP-Aktie weiter auf Talfahrt schicken würde; schon von Mitte August bis Anfang März büßte das Papier gut 60 Prozent ein.
Die Swiss-Life-Spitze revanchierte sich auf ihre Weise. Im September ließ Pfister den von Maschmeyer für den AWD eingefädelten und von ihm persönlich vorfinanzierten Kauf des süddeutschen Finanzvertriebs GKM platzen. Am Ende könnte den Hannoveraner das Nein aus Zürich einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.
Jetzt streitet sich Maschmeyer mit dem GKM-Gründer Reinhard Listl (46) um die Rückabwicklung des Deals. Und natürlich darum, wie viel er von seinen 40 Millionen zurückbekommt und wie viel davon Listl als Schadensersatz zustehen. Der AWD-Co-Chef jedenfalls will von einer persönlichen Kaufverpflichtung nichts wissen und stellt sich auf den Standpunkt, dass er nur eine Sicherheitszahlung für den AWD geleistet habe.
Freuen kann sich Pfister über Maschmeyers Blessuren bestenfalls heimlich. Denn seit der AWD-Gründer Aktien der Schweizer kauft, schwingt er sich vom Diener zum Herrn auf. 535 Millionen Euro wollte Maschmeyer ursprünglich ausgeben, um 10 Prozent am Mutterkonzern zusammenzukaufen. Nach dem Kurssturz der vergangenen Monate würde er dafür mittlerweile gut zwei Fünftel des Konzerns bekommen.
Sein ursprüngliches Ziel hat er inzwischen fast erreicht - zusammen mit seinen Söhnen hält er etwas mehr als 6 Prozent. Damit verfügt er über genügend Einfluss, um einen Sitz im Verwaltungsrat zu fordern - was für ihn eine Art Versicherungspolice für den Verbleib an der AWD-Spitze wäre.