Wer warm eingepackt in einem der Deckstühle auf dem Dachgarten des Nürnberger Dr.-Hans-Birkner-Hauses aus seinem Mittagsschläfchen erwacht, wird kaum daran denken, dass er in einem Krankenhaus liegt: Keine Lernschwester klappert mit der Bettpfanne, nirgends stehen verbeulte Teekannen mit schalem Hagebuttentee herum.
Sebastian Kerber: Die Kardiologische Abteilung der Herz und Gefäßklinik in Bad Neustadt an der Saale ist eine der größten in Europa. Sie hat zwei Chefärzte - hier der Spezialist für Herzkranzgefäße vor den Großgeräten im Katheterlabor. Sein Kollege Burghard Schumacher ist Experte für Herzrhythmusstörungen.
Die Terrasse über dem vierten Obergeschoss des Gebäudes 22 gehört zu Medizinplus, einer Privatklinik auf dem Gelände des Nürnberger Klinikums Nord. Hier werden 24 Privatversicherte und selbstzahlende Patienten untergebracht, die sich von den Chefärzten der 37 umliegenden Abteilungen und Spezialinstitute behandeln lassen.
Medizinplus ist eine Tochtergesellschaft des Städtischen Krankenhausbetriebs. Sie bietet, zusätzlich zur "Maximalversorgungsmedizin" des Mutterhauses, besonderen Service für alle, die ihre hohen Ansprüche an stationäre Gesundheitsversorgung nicht zusammen mit der Versicherungs-Chipkarte am Empfang abgeben: Chefärzte, die reihum ans Bett des Kranken kommen; Schwestern und Pfleger, die Neuankömmlinge auch sonntags gern aufnehmen.
Einen Maître de Cuisine, der das Essen vor Ort frisch zubereitet, das sich der Patient à la carte bestellt hat, und Kellner, die es im Zimmer servieren. Eine Sauna, einen Fitnessbereich, und eben die Dachterrasse zum Ausspannen und Erholen.
Medizinplus gehört zu den Pionieren der neuen Gesundheitsbewegung. Von Hamburg bis Bad Tölz wollen derzeit knapp hundert Kliniken die deutsche Krankenhauslandschaft aufwerten und leistungsstärker machen ohne dabei auf Schönheitschirurgie, Wellness und Wohlfühlmedizin auszuweichen.