20.01.2009
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Axel Vervoordt

Der Luxuströdler

Von Klaus Ahrens

4. Teil: "Die Deutschen lieben unseren Stil"

"Ich selbst bin ständig mit 30 bis 40 solcher Projekte beschäftigt", sagt Vervoordt, "davon vier oder fünf wirklich großen." Insgesamt sind es rund 100 Aufträge, die sein 95-Personen-Team fortwährend bearbeitet. Während sich sein Sohn Dick um die Immobilien kümmert, sein Sohn Boris den Kunsthandel steuert, ist eine Schar von Kunsthistorikern und Archäologen mit Suche, Erwerb und Registrierung von neuen Objekten befasst. Bis zu 300 Stück pro Monat sind das, an die 10.000 lagern im Schloss und in der Mälzerei, zweimal im Jahr auch dem Publikum zugänglich.

Axel Vervoordt: "Zeitlose Interieurs"; Gerstenberg Verlag, Oktober 2007, 256 Seiten, 59,00 Euro. Buch bestellen

Seine Frau May, mit der er seit 1969 zusammen ist, hat aus der Not, dass die Sitzmöbel vergangener Jahrhunderte eher sperrig und unbequem sind, die Tugend eines eigenen Geschäftszweigs entwickelt - die Home Collection mit Fauteuils, Sesseln und Sofas, auf denen sich gut lümmeln lässt. Eine solche Sitzgelegenheit mit Stoffbespannung kann dann schon mal zwischen 3000 (Sessel) und knapp 14.000 Euro (Sofa) kosten.

Vervoordt selbst schwebt über allem als Spiritus Rector des Unternehmens. Der über den Sinn der Kunst nachdenkt und ihre Rolle im Leben seiner Klienten.

Er ist sich sicher: Er bereichert nicht nur den Alltag seiner Kunden durch die Kunsterfahrung, sondern gibt mitunter gar deren Leben eine andere Richtung. Überdies verspricht er dem reichen Gewinn, der seinem Rat beim Kunstkauf folgt. Ganze Sammlungen habe er so mit Erfolg zusammengestellt.

"Was mich völlig von meinen Kollegen unterscheidet: Ich sehe das nicht als Geschäft", sagt er, "ich sehe mich in erster Linie als Sammler. Ich bin allein einem bestimmten Lebensstil verpflichtet. Und so suche ich nach Objekten, die zu diesem Lebensstil passen."

Im Kamin prasselt das Feuer, Vervoordt lässt seine Lesebrille kreisen und plaudert entspannt und hoch konzentriert zugleich über das Vergnügen an ästhetischen Gegenständen. Er erzählt von seiner Wohnung in einem venezianischen Palazzo, von seinem Chalet in Verbier hoch in den Walliser Alpen, wo er jeden Winter Skiferien macht. Von der Liebe zur Kunst des Italieners Lucio Fontana, seiner Zuneigung zu den deutschen Zero-Künstlern, auf die ihn sein Freund Jef Verheyen einst aufmerksam machte. Mack, Uecker, Piene - Heroen der 60er Jahre.

Ja, in Deutschland habe er auch reichlich Kunden

"Die Deutschen lieben unseren Stil", sagt er und lacht. "Unser Understatement: Es kommt alles ganz einfach daher, und es ist sehr teuer, obwohl es überhaupt nicht teuer ausschaut."

Auch das deutsche Bauhaus bewundert er, aber aus gehöriger Distanz. Er mag daran nicht das Kalte und Harte, das Unberührbare, sagt er.

"Ich liebe die Wärme", bekennt Vervoordt, der in nahezu jedem der 50 Räume seines Schlosses einen Kamin installieren ließ. "Meine Inspiration beziehe ich deshalb eher aus dem Osten, aus dem Wabi-Sabi-Geist Japans."

Eine Ästhetik der Askese, Kargheit und Vergänglichkeit aus dem Geist des Zen-Buddhismus, "die aktive ästhetische Würdigung der Armut", wie Daisetz T. Suzuki, der beste Kenner dieser Lehre, definierte, als Lifestyle-Leitbild der Reichen. Das hat wirklich Stil und passt erst recht in krisenhafte Zeiten.

"Luxus bedeutet für mich nicht das große Auto, teure Uhren oder die Glitzerwelt der neureichen Russen", sagt Vervoordt. "Wahrer Luxus bedeutet fähig zu sein, dem Leben mit Dankbarkeit zu begegnen, es zu lieben. Und dabei von schönen Dingen und friedvoller Harmonie umgeben zu sein. Das ist für mich der größte Luxus."

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