Von Klaus Ahrens
Der Wagen rollt an einem schnurgeraden Industriekanal vor den Toren von Antwerpen entlang. Bald steuert das Auto auf acht gewaltige graue Türme zu. Hässliche Getreidesilos, an die sich ein paar massige rote Ziegelbauten aus dem 19. Jahrhundert drücken. Am Tor ein Schild: "Axel Vervoordt", der Name des weithin wie ein mythischer Glücksgott wahrgenommenen Kaufmanns der schönen Künste.
Irrtum ausgeschlossen - dieser aufgelassene Industriebau inmitten einer desolaten Industrielandschaft ist eine der feinsten Adressen des europäischen Kunst- und Antiquitätenhandels. Gerühmt für eine raumgreifende exquisite Sammlung und legendär als Lieferant erlesenster Raumausstattungen. Ein Wallfahrtsort der Reichen und der Ästheten.
"One of the world's most respected antiques dealers, collectors and interior designers", lobt das Fachblatt "Architectural Digest" den Mann, der sich für Medienleute gewöhnlich äußerst rar macht.
Axel Vervoordt darf sich Lieferant und Inneneinrichter sowohl des belgischen als auch des britischen Königshauses nennen. Zu seinen Kunden zählten einst Nurejew und Yves Saint Laurent, heute gehören Sting, Calvin Klein und Isabelle Adjani dazu. Er war der Innengestalter zahlreicher Villen von Miami bis an die Côte d'Azur, von Dallas/Texas bis Oberbayern. Und auf der international bedeutendsten Messe in Maastricht erregt sein Stand regelmäßig anerkennendes Aufsehen in der Fachwelt.
Ebenso wie es jetzt die betörenden Kunstausstellungen taten, die 2007 in Venedig ("Artempo") und kürzlich in Paris ("Academia") stattfanden - mit nie zuvor gesehenen Arrangements von Bildern, Skulpturen aus entlegenen Kulturen und Fundstücken aus der Natur. Kurz, wer heute über Kunstgeschmack, Lebensstil und Wohnkultur redet, kommt an der Industrieadresse am Rande Antwerpens nicht vorbei.
Bevor er auf der Hausherrn trifft, wird der Gast durch das Reich des 61-jährigen Zauberers geführt, ein Rundgang durch eine wundersame Welt voller Magie und stiller Melancholie. In der einstigen Mälzerei stehen heute Torsi ägyptischer Prinzen und Priester neben Gegenwartskunst und Fundstücken vom Strand - verwitterte Hölzer, Korallenstöcke, Schneckengehäuse.
Eine schmale Halle, an deren vom Putz befreiten Ziegelwänden nun unter anderem eine großflächige Nachthimmel-Fotografie von Thomas Struth hängt, führt in einen weiten, in grau-blaues Licht getauchten Raum. Dessen hohe Decke wird wie ein antiker Tempel von schweren Säulen getragen. Dazwischen stehen tatsächlich die Torsi antiker Skulpturen auf musealen Sockeln. In einer Ecke ruht mit überkreuzten Beinen die steinern-stoische Skulptur eines buddhistischen Lohan. Vervoordt hat hier seine Privatsammlung kambodschanischer Khmer-Skulpturen untergebracht.
© manager magazin 12/2008
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