Von Dietmar Palan
Auf den Fluren der Zentrale in der Münchener Königinstraße hört man heute englische, italienische oder französische Satzfetzen genauso selbstverständlich wie Unterhaltungen auf Deutsch. "Vor zehn Jahren war ich mit meiner dunklen Haut und meiner Vorliebe für bunte Hemden ziemlich exotisch", sagt Hannes Chopra: "Heute falle ich gar nicht mehr auf, wenn ich in München mal in die Kantine gehe."
Hannes Chopra
Der Job: Der Rheinländer mit indischen Wurzeln ist die Nummer eins der Allianz Rosno, des drittgrößten russischen Versicherers. Er dirigiert 7500 Mitarbeiter und 100 Niederlassungen.
Die Karriere: Chopra startete 1996 als Controller, wurde dann Regionalmanager in der Auslandsabteilung und kümmerte sich um Südostasien, Afrika und den Nahen Osten.
Die Ausbildung: Absolvierte eine kaufmännische Lehre bei Beiersdorf und studierte später Volkswirtschaftslehre.
Auch wenn die Finanzkrise ihre Spuren in der Bilanz hinterlässt - das Versicherungsgeschäft läuft weit besser als vor einigen Jahren. Es ist stabil und langfristig, weit entfernt vom verglühten Glamour, den die Dealmaker der großen Investmentbanken verbreiteten - wenn auch schlechter bezahlt.
Umso erstaunlicher ist es, dass die Allianz in der vom Trendence Institut erstellten Hitliste der gefragtesten Arbeitgeber deutscher Studenten erst an 43. Stelle auftaucht und unter den Wunscharbeitgebern der High Potentials nur auf Platz 84 landet. "Als ich einer Kommilitonin damals erzählte, dass ich bei der Allianz anfange, schaute sie mich erst mit großen Augen an, schüttelte dann den Kopf und sagte verwundert: 'Ich dachte, du hättest ein gutes Examen'", erinnert sich Uwe Michel, der seit 1994 für die Allianz arbeitet und derzeit das Lebensversicherungsgeschäft in Japan aufbaut.
Das graue Image steht im krassen Missverhältnis zu den Möglichkeiten, die der Konzern seinen Nachwuchskräften bietet. Einsteiger werden vom ersten Tag an in globale Projekte eingebunden, wer auffällt, kommt rasch an verantwortungsvolle Jobs, viele leiten nach kurzer Zeit ihr eigenes Team.
Und nach spätestens zwei oder drei Jahren wartet irgendwo eine neue Aufgabe. Wer erst Teil des Systems ist, bleibt es meist auch. "Die Fluktuation unter den Führungskräften liegt im Schnitt weltweit bei 5 Prozent, das ist sehr niedrig", sagt Personalchef Daniel Dirks.
© manager magazin 12/2008
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