Von Hermann Simon
Doch der Computer ist nur ein Teil der Automatisierung. Genauso entscheidend sind Sensorik und Mechanik. Roboter müssen sehen, hören, riechen, tasten, schmecken können. Schließlich sind Mechanik, Mechatronik, Hydraulik und Pneumatik gefordert, die Informationen des Computers in Handhabungen umzusetzen. Die Zusammenführung all dieser Teildisziplinen erzeugt ungeheure Komplexität und deshalb extrem lange Entwicklungszeiten.
Die Früchte zeigen sich zunehmend in allen Branchen. Der modernste Mähdrescher der Firma Claas wird per GPS zentimetergenau gesteuert, der Fahrer überwacht nur noch. Diese Maschine erntet in einer Stunde so viel Getreide, wie eine 350.000-Einwohner-Stadt an einem Tag verbraucht.
Die von dem Lübecker Hidden Champion Baader gebaute größte Lachsfiletierungsanlage der Welt produziert 19.000 Lachsfilets pro Schicht. Handarbeit gibt's lediglich bei der Beschickung der Anlage, alles andere läuft vollautomatisch. Man bedenke dabei, dass jedes Filet anders geformt ist. Im Prozess müssen die Ränder jedes Rohfilets präzise beschnitten und nur Zehntelmillimeter dünne Häute abrasiert werden.
"Die neue Maschine schneidet deutlich exakter als selbst der beste Handfiletierer", sagt Heiko Frisch, Betriebsleiter der Deutschen See in Bremerhaven. Der Roboter legt anhand äußerst präziser Farbanalysen, für die jedes einzelne Filet fotografiert wird, sogar die spätere Verwendung jedes Filets fest. Nicht weniger eindrucksvoll ist der Einsatz von Robotern in der Chirurgie. Kein Chirurg kann im Hinblick auf Präzision mithalten, der Roboter ist nie nervös, hat nie einen schlechten Tag.
Egal ob in der Integration von Entwicklung und Produktion, im Service, in der Medizin oder im Haushalt, die Automation kommt mit Macht. Die Arbeitswelt ist massiv betroffen. Einerseits wird niedrig qualifizierte Arbeit verdrängt, aber es kommt auch Arbeit aus China zurück. Die Anforderungen an diejenigen, die die Roboter bauen, programmieren und warten, nehmen zu. Jeder sollte sich wappnen. Asimo lässt grüßen.