Von Hermann Simon
Vor einiger Zeit besuchte ich die Honda-Zentrale in Tokio. Nach der üblichen Anmeldung begleitete mich Asimo-san zum Besprechungsraum. Er schritt vor mir her, bog um Ecken, bestellte den Aufzug und verabschiedete sich wie jeder höfliche Japaner mit einer Verbeugung. Asimo war ein Roboter.
Kurz danach traf ich einen schwedischen Kollegen von Asimo im großen Garten eines Bekannten. Er war mit Rasenmähen beschäftigt. Früher hatte ein 400-Euro-Mann diesen Job erledigt, er wird jetzt nicht mehr gebraucht. Der Mähroboter arbeitet exakt nach den Anweisungen seines Herrn, mäht nur zu den programmierten Zeiten, fährt selbstständig zur Ladestation, meckert nicht, streikt nicht, feiert nicht krank. Mein Bekannter ist von seinem neuen Helfer begeistert.
Wir stehen vor einem
Zeitensprung in der Automatisierung, deren Vorboten Asimo und sein Kollege Mähroboter sind. Die Revolution ließ erstaunlich lange auf sich warten. Ich erinnere mich an einen Vortrag von Joseph F. Engelberger, dem "Father of Robotics", an der Stanford University im Jahr 1984. Seine Firma Unimation hatte 1962 den ersten Industrieroboter der Welt bei General Motors
installiert. Engelberger schilderte damals in bunten Farben die künftige Welt der Roboter in Fabriken, Haushalten, Krankenhäusern und Servicegeschäften. Doch bis heute warte ich auf das Eintreten dieser spektakulären Visionen.
Woran liegt das? Und warum sollte es demnächst anders werden? Die Antwort lautet "Power" und "Komplexität". Die für leistungsfähige Roboter erforderliche Computer-Power ist zu tragbaren Kosten erst seit Kurzem verfügbar. Pro Euro ist die Zahl der Computeroperationen heute etwa eine Million mal so hoch wie 1980. In dem äußerst lesenswerten Buch "The Singularity is Near" extrapoliert Ray Kurzweil viele derartige Indikatoren und kommt zu spektakulären Prognosen.
Kurzweil sollte man ernst nehmen. 1986 sagte er voraus, dass der Computer den Schachweltmeister im Jahr 1998 schlagen würde. Er irrte sich. Bereits 1997 besiegte die IBM-Maschine Deep Blue Weltmeister Garri Kasparow. Nach Kurzweil dürften Computer in knapp 40 Jahren die Kapazität des menschlichen Gehirns erreichen. Wir sind mit voller Kraft auf dem Weg dorthin. Moderne Handys verfügen über mehr Computerpower als die Apollo-Mondfähre im Jahr 1969. Vermutlich haben Automodelle wie der neue 7er BMW
mehr Rechenkapazität als ein Kampfjet vor 20 Jahren.
© manager magazin 10/2008
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