Kein Besucher käme auf die Idee, das schmucklose kubische Gebäude nahe dem Uni-Campus im thüringischen Ilmenau als Musentempel zu bezeichnen.
Doch der Hausherr hat Musikgeschichte geschrieben. Genauer: Musikindustriegeschichte. Als Leiter des Teams, das die Musik-Komprimierungstechnik MP3 erfunden hat, gilt Karlheinz Brandenburg für manche als der Terminator der Tonträgerbranche.
Seit MP3 den Tausch von Musikdateien im Internet möglich macht, seit Geräte im Format eines Feuerzeugs Musik für 100 Stunden Dauerberieselung speichern und abspielen können, seitdem siechen die Musikmultis. Allein in der laufenden Dekade sind ihre Umsätze um 25 Prozent zurückgegangen, um zehn Milliarden Dollar.
Für andere ist Karlheinz Brandenburg, der heute das Fraunhofer-Institut für digitale Medientechnologie (IDMT) leitet und dieses Fach an der benachbarten TU lehrt, schlicht ein Star-Innovator. Der Bundespräsident verlieh ihm - und zwei seiner Mitstreiter - für die Entwicklung von MP3 im Jahr 2000 den Zukunftspreis.
Denn der Elektrotechniker ist kein Technokrat. Ihn bewegt das Schicksal von Menschen - wie das der Musiker, Toningenieure, Marketingleute, die jetzt in der waidwunden Branche ihre Jobs verlieren. Im eigenen Umfeld fördert Brandenburg statt einsamer Forschung die Teamarbeit. Er schwärmt vom Musizieren mit Institutskollegen: Der Professor singt im Chor, spielt Keyboard und Gitarre.