Von Patricia Döhle und Simon Hage
Die Wände ihres Büros gleichen überdimensionalen Pinnwänden. Überall hängen Zettel mit Zickzacklinien, die historische Entwicklungen nachzeichnen - ob Dow Jones
, Kupferpreis oder Weltbevölkerung. Misstrauisch wird Yamada immer dann, wenn einzelne Kurse nach ungewöhnlich steilem Anstieg plötzlich die klare Richtung verlieren. Blasen platzen stets nach dem gleichen Muster: Erst eine Korrektur, danach die leichte Erholung - dann der nächste Absturz: "Das ist der Punkt", sagt die Analystin, "von dem an Vermögen vernichtet wird."
So geschehen im Fernen Osten. Seit Ende 2007 hat der MSCI China, der die Entwicklung wichtiger chinesischer Aktien wiedergibt, um etwa 30 Prozent nachgegeben. Auch die Aktienindizes in Indien und Singapur haben die Höchsttemperaturen auf der Fieberkurve längst überschritten. Ist die Luft aus der Asien-Bubble komplett entwichen?
Yamada ist skeptisch. "Gewöhnlich revidiert eine Blase den Aufwärtstrend komplett und kehrt an ihren Ausgangspunkt zurück." In asiatischen Märkten gibt es noch Abwärtspotenzial. Trotz Korrektur legte der MSCI Singapore in den vergangenen drei Jahren unterm Strich rund 35 Prozent zu. Der indische Aktienmarkt gewann 90 Prozent, der China-Index sogar 140 Prozent. Der Abschwung könnte also weitergehen.
Reißt ein Aktienkurs psychologische Abwärtshürden, ist der Verfall kaum noch zu stoppen. Mit einem Mal weicht die Unsicherheit erschreckender Gewissheit: Der Markt ist überhitzt, die Preise sind zu hoch - und alle Anleger wissen plötzlich Bescheid. "Spekulanten können ein problematisches Asset dann nicht mehr an Unwissende verkaufen", erklärt Ökonom Brunnermeier, "es geht unaufhaltsam nach unten."
Die Talfahrt kann Monate dauern. Beispiel USA: Der Dow Jones hat zwischen Januar und Mitte Juli rund 17 Prozent verloren. Gewöhnlich büßt die US-Börse in Krisenzeiten durchschnittlich 28 Prozent ein, sagt Forscher Roubini: "Die Verluste werden noch anhalten."
Ein düsteres Szenario. Aber auch Grund zur Panik? Sind Anleger den Finanzmärkten hilflos ausgeliefert?
Keineswegs, schließlich zeichnen sich bereits neue Trends ab, die Gewinne versprechen. Die Erkenntnisse von Forscher Brunnermeier und seinen Kollegen belegen: Dieselben Automatismen, die zum Crash führen, sind es auch, die Anlegern oft über Jahre hinweg Profite bescheren.
Die Psychologie und die Finanzmaschinerie, sie arbeiten im Dienste der Anleger, wenn sie einen Trend früh genug erkennen. Entscheidend ist, die Warnsignale nicht zu übersehen, die das Ende dieser Ära einläuten: die vielen Retail-Produkte, die an den Markt kommen; der fast senkrechte Kursanstieg; schließlich das hektische Auf und Ab der Notierungen und am Ende der Abstieg.
George Soros scheint sich an ähnlichen Indikatoren zu orientieren - und an den Erkenntnissen der Princeton-Forscher. Zwar diagnostiziert er im Rohstoffsektor eine Blase, aber er versucht nicht, sie zu attackieren. Im Gegenteil: 16 Prozent des Quantum-Fonds sind in Rohstoffen investiert, unter anderem in Minenaktien. Dort sieht der große Meister offenbar noch Chancen. Anders als beim Öl. Das schwarze Gold ist in Soros' Portfolio mit weniger als einem Prozent vertreten.