13.08.2008
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John Paulson

"Es war wie einen Jackpot zu knacken"

Von Patricia Döhle und Ulric Papendick

6. Teil: "Unsere nächste große Chance"

mm: Sie starteten 1994 mit 2 Millionen US-Dollar. Zehn Jahre später war es ein einstelliger Milliardenbetrag, heute sind es 33 Milliarden. Macht es einen Unterschied, ob man 3 oder 30 Milliarden anlegt?

"Wir sind vielleicht groß für einen Hedgefonds. Andere Vermögensverwalter wie UBS, Deutsche Bank oder Fidelity sind aber viel größer als wir."

John Paulson

Paulson: Nein, das ist im Grunde das Gleiche. Wir verfolgen die gleichen Strategien, gehen die gleichen Positionen ein, sie werden nur größer. Einerseits sind 33 Milliarden Dollar natürlich viel. Aber gemessen an den Wertpapiermärkten weltweit, ist es wenig. Rund um den Globus werden Wertpapiere im Wert von 90 Billionen US-Dollar gehandelt. Wir sind vielleicht groß für einen Hedgefonds. Andere Vermögensverwalter wie UBS, Deutsche Bank oder Fidelity sind aber viel größer als wir.

mm: Die Subprime-Blase ist geplatzt. Wo sehen Sie Ihre nächste große Chance?

Paulson: Die Wirtschaftsentwicklung verläuft ja in Zyklen. Auf dem Höhepunkt waren Kredite stark überbewertet. Ich denke, sie werden unterbewertet sein, wenn wir den nächsten Tiefpunkt erreichen. Wir investieren weiter in Distressed Assets, suchen aber jetzt nicht nach einer Short-, sondern nach einer lohnenden Long-Position. Die Kurse sind schon gefallen und werden weiter fallen, wenn die USA in eine Rezession schlittern. Das ist dann unsere nächste große Chance.

mm: Sie haben Ihren Milliardengewinn nicht groß gefeiert. Ihre Begründung: Sie wollten nicht feiern, während Hausbesitzer leiden. Hatten Sie ein schlechtes Gewissen?

Paulson: Nein. Schuld an diesen Problemen sind diejenigen, die die Kredite vergeben haben. Sie wussten, dass ihre Kunden sie nie würden zurückzahlen können, und vergaben sie trotzdem, nur um eine Prämie zu verdienen. So etwas haben wir nie getan. Wir haben 15 Millionen Dollar gespendet, um Menschen, denen eine Zwangsversteigerung droht, rechtlichen Beistand zu ermöglichen. Wir haben auch nie direkt mit Hypotheken gehandelt, sondern nur mit Derivaten. Wir haben nichts falsch gemacht.

mm: Warum wollten Sie dann trotzdem nicht feiern?

Paulson: Um Geld mit einer Long-Strategie zu machen, müssen die Kurse steigen. Das heißt: Alle gewinnen. Wenn Sie short gehen, setzen Sie auf fallende Kurse. Das bedeutet: Wenn Sie gewinnen, verliert jemand anders. Das will man nicht feiern.

mm: Wer hat denn verloren?

Paulson: Die Investmentbanker.

mm: Muss man mit denen Mitleid haben?

Paulson: Nein, das sind große Jungs.

mm: Hat die Wall Street ihre Lektion gelernt? Oder wird es wieder zu Exzessen kommen?

Paulson: Die Banken sind zu hohe Risiken eingegangen, haben mit zu hohem Leverage - also Fremdfinanzierungen - gearbeitet. Die Branche sollte Risiko und Leverage deutlich reduzieren. Noch arbeiten die Banken aber mit sehr hohem Leverage. Und sie sind nach wie vor sehr aggressiv, wenn es ums Geschäft geht. Mag sein, dass die Banken etwas aus der Finanzkrise gelernt haben, ich glaube aber: nicht genug.

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