Von Klaus Boldt
Die Manager von Canal Plus hatten bereits ihre Nasen in die Premiere-Bücher gesteckt: Nach Frankreich und Spanien sollte Deutschland als dritter Markt eingenommen werden, und Börnicke hätte einen Einstieg von Canal Plus sicherlich vorgezogen, zum einen, weil sein Französisch besser ist als sein Englisch, zum anderen, weil die Franzosen nicht zu feinfühlig sind, aber auch nicht zu derb, gerade so, wie er es mag.
Doch im Januar schmetterte Murdoch dazwischen, stürzte sich auf Premiere wie ein Torwart auf den Ball, und verleibte sich einen ersten 14,6-Prozent-Brocken für 287 Millionen Euro ein, womit er die geplante West-Ost-Achse von Canal Plus mit einer feinen Nord-Süd-Schneise von England (wo er den Bezahlkanal BSkyB
Auf der Premiere-Hauptversammlung am 12. Juni wurde der Aufsichtsrat um drei auf sechs Plätze erweitert: Neben Mark Williams (Finanzchef Europa und Asien der News Corp.) und Tom Mockridge, Leiter von Sky Italia und Vertrauter von Rupert Murdoch, zog der Schweizer Markus Tellenbach ins Kontrollgremium ein, ehedem selbst Chef von Premiere. Nicht ausgeschlossen, dass Tellenbach auch den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen wird.
Die drei Neuen werden in den kommenden Monaten darüber befinden, ob Börnicke der richtige Mann ist, für den er selbst sich hält ("Ich plane langfristig"). Vor allem müssen sie herausfinden, ob sein Können, sein Talent und seine Zähigkeit ausreichen, um den hundeelenden Abokanal tatsächlich in eine blühende, wie er es nennt: "entertainment company" zu verwandeln, die, zum Beispiel, nicht nur Golfturniere überträgt, sondern Golfreisen anbietet und ein Golfportal betreibt. Etwas in dieser Art schwebt ihm vor.
Nicht lassen kann er von der Idee, den Hauptstadtsender Sat.1 in Besitz zu nehmen, obwohl ProSieben
in puncto Profil und Standort (er befindet sich auf der Straßenseite gegenüber) das vernünftigere Angriffsziel böte: "Wir brauchen mittelfristig einen Free-TV-Sender, um mehr Marktmacht zu gewinnen. Als Entertainment-Company mit zwei bis drei Milliarden Euro Umsatz ist Premiere strategisch optimal positioniert. Bei der Champions League hat die Kombination mit Sat.1 sehr gut funktioniert. Auch bei Filmen, Serien und anderen Programmelementen könnte man zusammenarbeiten. Sat.1 passt perfekt zu uns."
Er glaube zwar nicht, dass "Sat.1 in den nächsten sechs Monaten auf den Markt kommt. Aber für 2009 kann ich mir das durchaus vorstellen."
Durchaus vorstellen kann man sich auch, dass Börnicke bis dahin wieder in jener Versenkung verschwunden ist, aus der er vor einigen Monaten unvermittelt aufgetaucht war. Was freilich niemanden beunruhigen muss: Börnicke wird keinen Hunger leiden. Am 14. Februar vergangenen Jahres hat er seinen gesamten Aktienbesitz, 350.000 Stück, für rund sechs Millionen Euro verkauft.
Wie tief sein Glaube an eine glorreiche Premiere-Zukunft und auch an die eigene Leistungskraft ist, kann man allein schon daran erkennen, dass er inzwischen für 180.000 Euro wieder eingestiegen ist.