Von Klaus Boldt
Im September vergangenen Jahres hat Michael Börnicke (47) von seinem damaligen Vorgesetzten Georg Kofler (51) die Leitung des Münchener Bezahlkanals Premiere
übernommen, der unter allen Fernsehsendern des Landes das kümmerlichste Dasein führt.
Börnicke war bis dahin gewesen, was man eine unauffällige Erscheinung des gehobenen Mittelmaßes nennt: immer etwas eichhörnchenhaft wirkend (ständig kalkulierend, rationierend, kürzend, überschlagend, haushaltend) und dabei allenfalls vorbeihuschend, falls man ihn überhaupt wahrnahm.
Kein Vergleich zu Kofler, diesem südtiroler-münchnerischen Mediengeschöpf, dem man Zauberkräfte zuschrieb und der bekannt war für eine Strahlkraft, mit der er noch das Getümmel eines Volksfestes durchgleißen konnte. Wenn Kofler seine goldenen Worte sprach, kritzelte die Journaille aufgeregt und diensteifrig mit, rief: "Ja!" und "Oh!"
Börnicke hingegen sprach so gut wie gar nicht. Als Finanzvorstand musste er immer rechnen. Er war ein ruhiger Vertreter. Früher jedenfalls. Nicht so ruhig wie andere Finanzvorstände der deutschen Wirtschaft (Gott bewahre, Weihnachtsfeiern belebt er mit munteren Effekten!), aber ziemlich ruhig dann doch.
Zu den Heldentaten, die man seinem Vorgänger zuspricht, der am Ende in geschäftlicher Hinsicht doch etwas sorglos herumzuballern pflegte, gehörte allerdings nicht der Verlust der Bundesligaübertragungsrechte 2005, was Premiere beinahe ruiniert hätte. Bei dem Versuch, die Exklusivität seines Programms zu erhöhen, namentlich auf Kosten der "Sportschau", hatte er sich verkalkuliert: Die wichtigste Programmware, das Produkt, von dem alles abhängt, fiel an den von Kabelfirmen allein zu diesem Zweck gegründeten Bezahlkanal Arena TV. Premiere keuchte, japste, schnappte nach Luft. Ein schlimmer Anblick.
Immerhin, glücklich wurde Arena mit dem Fußball nicht: Die Senderechte kosten 220 Millionen Euro im Jahr. Es ist unmöglich, dieses Geld wieder einzuspielen, wenn die "Sportschau" am Sonnabend um halb sieben einen Großteil der Nachfrage kostenlos stillt.
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