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28.03.2008
 

Führung

"Keine Schwarz-Weiß-Antworten"

Jay O. Light, Dekan der Harvard Business School spricht im Interview mit manager magazin über die Kritik am MBA und den Nutzen von Literatur für Führungskräfte.

mm: In diesem Jahr feiert die Harvard Business School (HBS) ihr 100-jähriges Bestehen, Tausende Führungskräfte haben hier ihren MBA gemacht. Wenn Sie an den Enron-Skandal oder das DaimlerChrysler-Desaster denken - haben Sie die Manager falsch ausgebildet?

Bildet Manager aus: Jay O. Light
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Neal Hamberg / Bloomberg News

Bildet Manager aus: Jay O. Light

Light: Ethik ist seit 100 Jahren fester Bestandteil unseres Curriculums. Erst kürzlich haben wir den Kurs "Leadership, Values and Corporate Accountability" eingeführt, in dem komplexe Probleme in verschiedenen Kulturen analysiert werden, wie etwa der DaimlerChrysler-Merger. In dem Kurs wird viel diskutiert, da gibt es keine Schwarz-Weiß-Antworten. Im Wahlkurs "The Moral Leader" werden ethische Fragen anhand literarischer Werke behandelt. Und jedes Jahr erneuern wir rund ein Drittel des Lernstoffs, um aktuelle Trends abzubilden. Leider kann aber auch die beste Lehre nicht garantieren, dass jeder einzelne Student immer das Richtige tut.

mm: Der MBA gilt als extrem analyse- und kennzahlenlastig. Blendet dieser recht schematische Ansatz nicht andere wichtige Aspekte wie Führung, Motivation und das Denken in Zusammenhängen aus?

Light: Das mag für andere Business Schools zutreffen, aber nicht für die HBS. Wir haben Kurse über Leadership, über das Zusammenspiel von Unternehmen und Politik; das Fach Organisationspsychologie wurde hier sogar geboren. Wir wollen Führungspersönlichkeiten ausbilden - deshalb betonen wir nicht nur die Analyse, sondern auch Werte wie Kommunikationsfähigkeit, Vertrauen und persönliche Integrität.

mm: Fast alle Business Schools - und Harvard besonders - arbeiten mit Fallstudien. Leider ist die Wirklichkeit selten so klar strukturiert und übersichtlich wie ein "Case". Ist diese Methode wirklich eine sinnvolle Vorbereitung auf die komplexen Entscheidungen im Alltag?

Light: Selbstverständlich. Die Fälle sollen so gut wie möglich das wahre Geschäftsleben darstellen: Manchmal gibt es zu viel Information, manchmal zu wenig. In 500 bis 800 Fallstudien binnen zwei Jahren lernen die Studenten, analytisch zu denken und ihre Ideen in der Klasse vor sehr smarten Leuten zu präsentieren. Sie werden in die Position des Entscheiders versetzt und müssen sich immer fragen: Was hätte ich in dieser Situation getan? Wenn sie dann den Abschluss haben, sind sie für den Managementjob perfekt vorbereitet.

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