Von Henrik Müller und Ulric Papendick
"Dann ist Transparenz gewahrt, aber die Wertsteigerungen müssen nicht an die Aktionäre ausgeschüttet werden, sodass ein Finanzpolster entsteht für den Abschwung."
Tief greifende Einschnitte. All das ist noch nicht entschieden, aber die Richtung ist klar erkennbar. Und es ist gut möglich, dass die Re-Regulierung sogar noch weiter geht.
So könnten die Aufseher künftig auch noch die Aufgabe bekommen, die Gehälter der Bankmanager zu überwachen. Das schlägt unter anderen der Internationale Währungsfonds vor. Weil die Vergütungen des Toppersonals eng an kurzfristige Gewinnziele geknüpft waren, wurden die Institute in immer waghalsigere Geschäfte getrieben - mit potenziell desaströsen Folgen für das Über-leben ihrer eigenen Institute und für die Stabilität des Finanzsystems insgesamt.
Man müsse sich mal genau anschauen, meint William Rutledge, Chef der New Yorker Fed, welche "Anreizprobleme durch die Vergütungspraktiken verursacht" würden.
Droht da am Ende ein regulatorischer Overkill? Wird der Finanzsektor künftig so stark an die Kandare genommen, dass die Versorgung der realen Wirtschaft mit Geld und Kredit zu knapp wird? Sind die Behörden dabei, zukünftigen Wohlstand zu opfern?
Zwar beteuern die Regulierer unisono, sie wollten künftige Finanzinnovationen nicht behindern. Es gehe lediglich darum, die Risiken im Rahmen zu halten. Doch Franklin Allen, Professor an der Wharton School in Philadelphia (Adresse: Locust Walk - Heuschrecken-Gang), ist da skeptischer: Statt überhastet zu reregulieren, solle der Staat lieber mal ein großes Institut pleitegehen lassen. "Im Moment gibt es den unbedingten Wunsch, jede Bank retten zu wollen." Ein ordentlicher Bankrott würde die Banker schon aufrütteln. Sie würden dann von selbst zusehen, dass sie keine zu hohen Risiken eingingen - die Selbstregulierungskräfte des Marktes würden gestärkt, der Staat könnte sich heraushalten.
Ein bestechendes, wenn auch eher theoretisches Argument. Denn in der Praxis lassen die Regierungen große Banken nicht pleitegehen. Die Gefahr einer Systemkrise erscheint ihnen zu groß. Deshalb springt am Ende immer der Staat ein.
Was im Umkehrschluss bedeutet: Es gibt keine Alternative zur Regulierung.