Mittwoch, 8. Februar 2012, 17:35 Uhr

manager magazin



10.06.2008
 

Finanzkrise

Ende der Freiheit

Von Henrik Müller und Ulric Papendick

Jetzt schlägt die Stunde der Regulierer. Geschockt vom gewaltigen Ausmaß der Probleme im Finanzsektor, nehmen sie die Institute weltweit nun enger an die Kandare. Für die Banker sind die fetten Jahre damit vorerst vorbei.

Das Treffen vor einigen Wochen fand unter strenger Geheimhaltung statt. Die Herren, die aus London, Washington und Bonn nach Frankfurt gereist waren, legten Wert darauf, unerkannt zu bleiben. Angesichts der derzeitigen Nervosität an den Finanzmärkten schien ihnen bereits das bloße Bekanntwerden ihrer Zusammenkunft eine Nachricht zu viel zu sein.

Immerhin gehört der Mann, der sich in der Main-Metropole den Fragen deutscher, britischer und amerikanischer Bankenaufseher stellte, zu den mächtigsten Drahtziehern im internationalen Geldgeschäft. Dass ausgerechnet Anshu Jain (45), indischstämmiger Topinvestmentbanker der Deutschen Bank Chart zeigen, den aus mehreren Kontinenten herbeigeeilten Aufsehern berichten musste, wie sehr sein Institut unter der seit Monaten andauernden Finanzkrise leidet, wollten weder die Bank noch die Kontrolleure an die große Glocke hängen.

Derart diskrete Zirkel, von Bankenaufsehern "Colleges" genannt, häufen sich in den großen Finanzzentren. Es sind zuweilen peinliche Befragungen, in denen die verblassten Superstars des Finanzgewerbes Auskunft über allerlei Details ihres Geschäftsgebarens geben müssen. Nach der Maxime: Wo Vertrauen fehlt, muss Kontrolle her.

Die britische Aufsichtsbehörde FSA versammelte bereits mehrfach Abgesandte aller Länder, in denen Londoner Großbanken wie HSBC Chart zeigen und Standard Chartered Chart zeigen ihren Geschäften nachgehen. Auch Jains New Yorker Kollege Kevin Parker (49), im Führungskreis der Deutschen Bank für das Asset-Management zuständig, bekam bereits Besuch von einer multinationalen Aufsehertruppe.

Die amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) hat sogar ständige "Beobachter" in die Zentralen der großen US-Investmentbanken entsandt. Die Beamten sitzen in den Büros der Treasurer und machen sich selbst ein Bild davon, was beim jeweiligen Institut so abläuft.

Dies ist kein business as usual, sondern der Beginn eines Rollback: Nach zwei Jahrzehnten Deregulierung werden die Zügel wieder schärfer angezogen. Es ist die Stunde der Regulierer.

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