Von Klaus Werle
Da hilft es wenig, wenn Schwenkers Konkurrent Christian Veith auf die vielen Exoten verweist, die man ins Team hole, Chemiker, Historiker, sogar Pianisten. Der BCG-Chef sitzt ganz oben im Glasturm, Stadttor 1, Düsseldorf; in den Büros ringsum seine Mitarbeiter: alle um die 30, schlau, schnell, Trolley und Laptop griffbereit.
Die Frage ist nicht, wie viele Exoten man einstellt, sondern wie exotisch sie nach drei Jahren noch sind. Denn auch der begabteste Tastenkünstler muss hier lernen, mit Cashflow und Net Present Value zu jonglieren. "Ohne Analyse keine Verbesserung", betont Veith. "Deshalb kommt kein Berater ohne methodisches, zahlenorientiertes Denken aus."
Auch die Firmen schippen kräftig Kohlen in die Normierungsmaschinerie. Traineeprogramme, Führungskräftetrainings und die seit Jahren explosionsartig zunehmenden Assessment-Center "messen immer gleiche Kriterien und fördern die Homogenisierung", sagt Heinz Schuler, Psychologieprofessor an der Universität Hohenheim. "Es gewinnt der schaumschlägerisch begabte Selbstdarsteller." In der Windkanalkarriere müssen Querdenker mit Ideen, die nicht binnen zwei Quartalen Rendite bringen, leider draußen bleiben.
Das System reproduziert sich selbst - auch dank der mythischen Verve, mit der Berater und MBAler lernen, sich zu verkaufen. Mit feingetunten Lebensläufen, hochprofessionellen Karrieremessen an den Schulen und den virtuosen Netzwerkerkünsten der neuen transatlantischen Elite, deren Mitglieder nach zwei Monaten in der Firma schon mit mehr Entscheidern lunchen waren als ein stoffeliger Ingenieur nach drei Jahren.
Die richtige Antwort auf die Globalisierung, glaubt Stephan A. Jansen, wäre eine breitere Ausbildung, die sich in einen interdisziplinären Kontext von Soziologie, Politik, Naturwissenschaft und sozialen Trends einordnet und Managen als Handeln in kaum zu berechnender Komplexität begreift. "Stattdessen erleben wir eine Berufsakademisierung, formelhaftes Multiple-Choice-Wissen, dessen globales Abbild der MBA ist."
Auf lange Sicht aber birgt das omnipräsente Anwenden von Kennzahlen und Portfoliomatrix eine überraschende Ironie, glaubt Reinhard Sprenger: "Es ist wie beim Fußball: Wenn alle das gleiche System spielen, ist das System wertlos. Dann kommt es wieder auf die Individualisten an."
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