Von Klaus Werle
Deutschlands älteste Business School, die Leipziger Handelshochschule (HHL) hat ihr Curriculum nach dem Vorbild von Yale gar komplett umgebaut - weg vom funktionalen Kästchendenken (Marketing, Accounting) zu einem ganzheitlichen Ansatz, der sich an den Stakeholdern orientiert. "Die Studenten bekommen einen Blick für Zusammenhänge und für die Auswirkungen ihres Managens außerhalb der Firma", sagt MBA-Programmdirektor Torsten Wulf.
Sicher: MBA-Absolventen sind nicht per se kaltschnäuzige Moralverächter oder zahlenhörig. Eric Strutz etwa gilt bei Mitarbeitern als ausgesprochen kollegial; gerade hat er gegen viel Widerstand das 360-Grad-Feedback in der Bank eingeführt. Doch auch er räumt ein: "Im MBA-Studium lernt man nur Tools - aber nicht zu entscheiden und zu führen."
Gerade der beflissene Eifer, mit dem sich Business Schools auf einst verachtete Themen wie Social Skills und Ethik stürzen, zeigt, wie sehr sie diese Aspekte vernachlässigt haben. Immer noch "konzentriert sich der MBA zu stark auf die linke Gehirnhälfte", sagt Manfred Kets de Vries, Leiter des Centre for Global Leadership am Insead, "echte Reflexion oder Coaching ist in der MBA-Massenproduktion gar nicht zu leisten".
Kaum erstaunlich, dass Firmen laut einer Studie des Graduate Management Admission Council (GMAC) gravierende Defizite von MBA-Absolventen in Führung und Kommunikation beklagen sowie in der Fähigkeit, mit unzureichenden Informationen Entscheidungen zu treffen.
Jeden Tag kommen zu den weltweit mehr als 5000 Programmen zwei neue dazu, teilweise in höchst fragwürdiger Qualität. Längst nicht jeder MBA-Titel ist eine Wild Card für den Aufstieg. Wer es aber an eine der renommierten Schulen schafft, hat meist in wenigen Jahren die Kosten von bis zu 100.000 Euro wieder heraus.
Christian Homburg, Präsident der Mannheim Business School: "Für die Spitzenjobs ist der Abschluss an einer Topschule häufig ein wichtiges Selektionsmerkmal." Und ein weiterer Trittstein auf dem Weg zu einem immer normierteren, stromlinienförmigen Management, das allen Sonntagsreden zur Diversity Hohn spricht. "Bei uns kann jeder aufsteigen", scherzt ein Dax-Personalvorstand, "vorausgesetzt, er hat einen MBA, Beratungserfahrung und trägt gedeckte dunkle Anzüge."
Selbst Beratungen klagen mittlerweile über "Bewerber mit immer gleichem Hintergrund", wie Burkhard Schwenker, Chef von Roland Berger, sagt.
Junge, smarte Menschen wie Nina Zumwinkel: Studium an der London School of Economics, dann Consultant bei McKinsey, 2006 MBA in Harvard. "Wer nur eine Lebenswelt ohne finanzielle Probleme kennt, dem fehlt oft die soziale Perspektive", sagt Schwenker.
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