Von Klaus Werle
In den 80ern war der Titel noch ungewöhnlich - im Spitzensegment aber funktionierte er als Karriereturbo, wie eine Studie des spanischen Instituto de Empresa nachweist: MBAler wurden danach im Schnitt drei Jahre früher Vorstandsvorsitzende als andere CEOs.
Inzwischen sitzen viele, die mit Ende 20 nach Harvard, Chicago oder Wharton gingen, wie Eric Strutz in Premiumpositionen. Noch heute erinnert sich Strutz begeistert an sein Aha-Erlebnis an der Chicago Business School, als er am PC Unternehmensbewertungsmodelle durchspielte und erkannte, "dass es immer die gleichen zwei, drei Hebel sind, die einen Rieseneffekt generieren".
Es ist dieser analytisch-finanzlastige Ansatz, den MBA-Reformer wie Thomas Sattelberger bemängeln: "Die Instrumentengläubigkeit fördert die Illusion, es gäbe Patentrezepte", sagt der Telekom-Personalvorstand. "Ein Manager muss in oft paradoxen Situationen widersprüchliche Interessen bedienen. Mit abgegrabbelten Lösungsreflexen kommt man da nicht weit", meint Stephan A. Jansen, Präsident der Zeppelin Universität Friedrichshafen, mit Blick auf die im MBA so beliebten Fallstudien.
Und schon 2005 kritisierte der kanadische Professor Henry Mintzberg in dem Buch "Manager statt MBAs" den "oberflächlichen, kurzatmigen, führungsfreien und einseitig auf Shareholder-Value fixierten" MBA-Stil.
Heraus kommen fachlich exzellente Manager mit ökonometrischem Tunnelblick: Rezepte statt Reflexion. "Wenn Führungskräfte versagen, liegt das aber meist nicht an fehlendem allgemeinem Managementwissen, sondern an mangelnden zwischenmenschlichen Fähigkeiten", sagt Sattelberger.
Im MBA-Studium - auch als "Management by Analysis" verspottet - bleibt die operative Umsetzung, womöglich noch die Auseinandersetzung mit echten Menschen, oft außen vor.
Kaum erstaunlich, dass fast jeder zweite MBA-Absolvent im Finanz- oder Beratungsumfeld landet - in den homogenen Teams dort ist man unter seinesgleichen, ohne Teilzeitmütter oder "Ich bin auf der Arbeit, nicht auf der Flucht"-Nörgler, die das Führen sonst so anstrengend machen.
© manager magazin 4/2008
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