Von Klaus Werle
Eine Studie, für die die Personalberater von Heidrick & Struggles exklusiv für manager magazin die Ergebnisse ihrer weltweiten Audits ausgewertet haben, lässt noch Schlimmeres befürchten: Zwar sind die Deutschen hervorragende Analytiker, und auch in der Umsetzung zeigen sie die stoische Unbeirrbarkeit eines Biathleten beim Scheibenschießen. Doch der Managertypus des Lerners, der flexibel ist, offen für Neues, der Marktentwicklungen und soziale Trends erkennt - ausgerechnet der ist unter deutschen Managern unterdurchschnittlich repräsentiert.
"Die Deutschen können große Organisationen in stabilem Umfeld führen", sagt Thomas Kell, Leiter der Audit-Praxis bei Heidrick, "sie sind aber schwach, wenn es um kreatives Anpassen und Verändern geht." Zu schade, dass genau diese Fähigkeit ganz hilfreich wäre in einer immer weniger berechenbaren Welt. Es reicht nicht mehr, stur wie ein Bulldozer seine Strategie durchzuziehen. Künftig sind virtuose Kontextpartisanen gefragt, keine geklonten Fallstudienakrobaten. Kell: "Manager müssen stärker mit Stakeholdern wie der Politik und Verbänden interagieren, etwa bei der Definition von Normen wie MP3."
Dabei haben sich die angeblich so butterbrotigen Deutschen so viel Mühe gegeben. Zu plump, zu direkt, zu hierarchiegläubig - viele der Vorurteile über heimische Führungskräfte stimmen nicht mehr.
"Weil die theorielastige deutsche BWL der Internationalisierung hinterherhinkte, drängen die Unternehmen ihre Führungskräfte seit den 70ern dazu, die Defizite durch alternative Ausbildungsformen auszugleichen", sagt Georg Schreyögg, Professor an der FU Berlin. Das Ideal: der global agierende Manager. Ein Universal Soldier.
Es begann der Siegeszug des "Master of Business Administration" (MBA). Allein in den USA erwerben jedes Jahr rund 900 Deutsche das begehrte Prädikat. "Die Managementausbildung hat sich globalisiert", sagt Rakesh Khurana, Professor an der Harvard Business School. "Der MBA ist nicht nur der bekannteste Abschluss, sondern eine Art Esperanto für das globale Business."
© manager magazin 4/2008
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