Von Sven Böll
Weil sich damit auch die Komplexität seines Portfolios erhöht hat, kümmert sich inzwischen ein Honorarberater um Radners Finanzen. "Der nimmt zwar für die Beratung Geld, aber ich habe die Sicherheit, dass er mir kein überflüssiges Zeug verkauft", sagt der Betriebswirt.
Ein professioneller Sparringspartner ist beim Dauersparen durchaus hilfreich: "Mein Finanzchef würde mir ein schlechtes Gewissen machen, wenn ich mein Depot auflösen und davon eine Weltreise machen wollte", sagt Radner.
Psychologisch ein sinnvoller Trick - und auch beim Fondssparen setzt Radner auf die Selbstüberlistung. Nur einen Tag nach dem Eingang seines Gehalts wird der Betrag vom Girokonto abgebucht. "Was weg ist, ist weg, da komme ich gar nicht erst in Verlegenheit, dem Geld hinterherzutrauern", sagt er. Jeden Monat eine 600-Euro-Überweisung zu machen? Schrecklich!
Aber reichen diese Tricks, um so lange mit dem Sparen durchzuhalten, bis die Million endlich auf dem Konto- oder Depotauszug auftaucht? Oder ist es wie beim Abnehmen, und früher oder später kommt der Heißhunger auf richtig fetten Konsum?
"Mit dem Sparen anzufangen ist das Schwierigste, da muss man auch schon mal hart zu sich sein", sagt Dieter Eckmann. Ende der 70er Jahre gründete der 64-Jährige zusammen mit einem Partner in Düsseldorf eine Handelsfirma. Startkapital: 15.000 Mark. In den Anfangsjahren, das Geschäft lief gut, wollte sein Kollege die Gewinne immer komplett ausschütten und sich davon ein schönes Leben machen. Auch bei Eckmann kribbelte es, doch er wollte die Gewinne lieber investieren - in der Hoffnung, sich davon später ein noch schöneres Leben machen zu können. Schließlich trennten sich die beiden.
Was für Bozidar Radner der Fondssparplan ist, war bei Eckmann die eigene Firma: Heute macht sein Unternehmen mehr als 20 Millionen Euro Umsatz, würde er es verkaufen, wäre er mit einem Schlag Millionär.
Als sich Eckmann erst einmal daran gewöhnt hatte, unter seinen Möglichkeiten zu leben, empfand er den bescheidenen Lebensstil auch nicht mehr als Einschränkung. Denn er sah ja das Vermögen wachsen. "Ich wollte aber nicht verkrampfen, sondern mich auch fürs Sparen belohnen, sonst wäre ich verrückt geworden", sagt Eckmann.
Und so stieg mit zunehmendem Erfolg auch der Lebensstil: Früher wohnte die Familie zur Miete, trank Wein für 1,99 Mark die Flasche und verbrachte den Urlaub im Wellenbad Cuxhaven. Heute lebt sie in einer Eigentumswohnung mit großem Garten, verfügt über einen klimatisierten Weinschrank und entdeckt die Welt jenseits der Nordsee.
Sich immer so viel leisten, wie gerade vertretbar ist - das war und ist Eckmanns Devise. Deshalb würde er es niemals übertreiben. Ein Ferienhaus? Eine Jacht? Oder gar ein Ferrari? Alles totaler Quatsch - rechnet sich nicht und braucht kein Mensch.
Mit dieser Einstellung hält sich Eckmann penibel an eine Empfehlung der Besserverdiener von McKinsey. Unter den Partnern der Unternehmensberatung gibt es eine goldene Regel, wie man in dem äußerst gut bezahlten Job am einfachsten Millionär bleibt: "No third house, no second wife, no first boat".