Von Wolfgang Hirn und Henrik Müller
Von China bis Venezuela gibt es mit dem Westen konkurrierende Mächte, die inzwischen auch miteinander kooperieren - Chinesen, Russen und die Zentralasiaten beispielsweise in der immer mächtiger werdenden Shanghai Cooperation Organization.
Angst vor Übernahmen: Mehr als Abschottung ist Europäern und Amerikanern bisher nicht eingefallen
"Bislang haben wir keine Antwort auf die Frage gefunden, wie wir mit wirtschaftlich erfolgreichen Autokratien umgehen", sagt Sandschneider.
Viel mehr als Abschottung ist Europäern und Amerikanern bisher nicht eingefallen. In den USA versprechen die meisten Präsidentschaftskandidaten neue Handelsschranken zum Schutz bedrohter Industrien. In Deutschland bastelt die Bundesregierung an einem Anti-Staatsfonds-Gesetz.
Der Frust über Demokratie und Turbokapitalismus und die Angst vor den neuen Wettbewerbern führt im Westen eine historische Wende herbei: Der Staatseinfluss nimmt zu. Protektionismus breitet sich aus, neue Regulierungen werden ersonnen, Privatisierungen abgesagt, der Sozialstaat wird ausgebaut. Die Bürger wünschen es so, und die Politik liefert.
Kleinmut Allerdings, das lehrt die Geschichte, ist fehl am Platz. Demokratische Gesellschaften haben sich letztlich als stabiler erwiesen, auch ökonomisch. Sie geben mehr für sozialen Ausgleich aus. Ihre Bildungssysteme sind besser, der Informationsfluss ist frei, ihre Rechtssysteme sind verlässlicher. Das macht sie innovativer, produktiver, reicher.
Aber auch das ist klar: Der Vorsprung der Demokratien kommt nicht von allein. Stets aufs Neue muss er erarbeitet werden. Stets aufs Neue müssen sie ihren Gesellschaftsvertrag erneuern - zwischen Leistungsfähigen und Schwachen, zwischen Staat und Markt, zwischen Freiheit und Sicherheit, zwischen Egoismus und Solidarität.
Der Westen steckt mitten in einer solchen Umbruchphase. Man darf gespannt sein, wohin das Pendel diesmal ausschlägt.