Besonders die Belegschaftsvertreter sind beeindruckt. Appel sei "unprätentiös und fair", "sachlich und konstruktiv", "ein Mann des offenen Wortes", schwelgt ein einflussreiches Aufsichtsratsmitglied der Arbeitnehmerseite. Überhaupt treffe das Attribut unterkühlt auf Appel nicht recht zu. "Wenn man ihn mal allein in der Stadt oder mit seinen Kindern trifft, erlebt man einen sehr netten, familienorientierten Menschen", bezeugt der Aufseher.
Seine Kollegen kennen sogar den "Studenten Appel". Wie aus dem Nichts ist er zuweilen zu Späßen aufgelegt, albert mitten in der Vorstandssitzung herum. Irgendwo muss der Druck ja hin.
Ein verbiestertes Arbeitstier will der Mann sowieso nicht sein. "Ich arbeite nicht am Wochenende", bekennt er. Seinen letzten Winterurlaub trat er überpünktlich an, schon ein paar Tage vor der Weihnachtswoche.
Wie er sich die Führungskraft von heute vorstellt, hat Appel unlängst im kleinen Kreis verraten, in einem Referat vor den Spitzen der Logistiksparte. Die Zukunft, dozierte er, gehöre dem "postheroischen Manager". Mit anderen Worten: Die Zeit der großen Zampanos ist vorbei. In dem Ausspruch steckt einige Brisanz. Er wurde von Post-Managern als Spitze gegen den damals noch nicht umstrittenen Konzernchef Zumwinkel verstanden.
So hat er die Leitung seines Büros im Bonner Hauptquartier einem Chinesen übertragen, der kaum Deutsch spricht. Der Asiate verlangt vor Audienzen bei seinem Herrn per Mail ausführliche Erläuterungen und Themenlisten.
Die Geschäftspartner empfängt Appel dann ohne die überschwänglichen Begrüßungsriten - großes Hallo, Schulterklopfen -, wie sie in der alten Deutschland AG Sitte waren.
Das Gespräch bestreitet er hoch konzentriert, spart aber derart mit Empathie, wie einer seiner Besucher klagt, "dass man nie genau weiß, wie viel Zeit er einem noch gibt". Alles sehr modern, international und effizient. Und doch nicht jedermanns Geschmack. "Ich muss schon sagen", resümiert ein Besucher, halb staunend, halb empört, "ein sehr eigenartiges Gebaren."