Von Klaus Werle
"Ein bisschen genervt" habe ihn das schon, sagt Börnicke, diese ständigen Vergleiche, doch grundsätzlich sei er entspannt: "Ich hab meinen eigenen Stil, und das Schlechteste wäre, den zu verändern." Schließlich, so ist zu hören, wurde der nüchterne Finanzvorstand im September unter anderem zum Chef ernannt, um die Premiere-Welt wieder etwas faktenorientierter und nachhaltiger zu machen als unter Tausendsassa Kofler. Auch mit Blick auf die Verhandlungen über die Bundesliga-Rechte, von denen das Premiere-Schicksal abhängt: "Kofler hat stark polarisiert, ich mache es der ARD nicht so einfach, weil ich pragmatischer bin."
24. Tag
Michael Börnicke (47), CEO von Premiere seit 1. September 2007
Die erste große Herausforderung für den neuen Chef: Konnte er die Investoren in zehn Tagen Roadshow überzeugen - oder floppt die Kapitalerhöhung? Heute läuft die Zeichnungsfrist der Bezugsrechte aus, Börnicke kann aufatmen: 176 Millionen Euro wurden erlöst.
Der Mann, der eher auf dem Fußball- als auf dem Golfplatz anzutreffen ist, will authentisch bleiben. "Den Stil des Vorgängers zu kopieren ist genauso verschwendete Zeit wie Veränderung um der Veränderung willen", sagt Wolfgang Klein, der vom Marketingvorstand zum Postbank-Chef aufrückte und wie Börnicke auf einen Charismatiker folgte.
Ohnehin blieben Klein kaum Atempausen, um über die Schärfung des eigenen Profils zu sinnieren oder das zu tun, "was ein CEO in den ersten 100 Tagen so tut". Denn sein Stabwechsel im Juli hätte kaum schlechter getimt sein können, ohne dass er selbst etwas dafür konnte. Kaum einige Tage im Amt, erwischte ihn die Subprime-Krise, und im allgemeinen Banken-Bashing interessierten niemanden die Beteuerungen des jüngsten Dax-Konzernchefs, seine Bank sei mit dem Thema längst durch.
Vielleicht, meint der Marathonläufer pragmatisch, "war es aber auch gut, dass ich kaum Zeit hatte, über meine neue Rolle zu viel nachzudenken und darüber die externen Probleme zu vernachlässigen. Wer das tut, hat nicht erst nach 100 Tagen ein Problem".
Es sei, sagt Psychologe Lohmer, in der Rampenlichtposition als Nummer eins die vielleicht größte Herausforderung für einen neuen CEO, "zu dem zu stehen, was man selbst für das Beste hält, anstatt nur auf die Erwartungen Dritter zu schielen". Wer dennoch scheitert, geht wenigstens aufrecht und mit wehenden Fahnen unter.
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