Von Klaus Werle
"Evolution statt Revolution", verkündete denn auch "Dr. Lü". Die alte Strategie sollte fortgesetzt, gleichzeitig sollten Dienstleistungen wie Flughafenbeteiligungen und Projekte mit der öffentlichen Hand ausgebaut werden. Statt in einer Ansprache gab der neue Hochtief-Primus die Parole in Gesprächen mit Vorständen, Bereichsleitern und anderen Führungskräften aus: "Ich will direkt mit Leuten reden. Das ist aufwendig, aber man weiß, wo die Glocken hängen."
39. Tag
Herbert Lütkestratkötter (57), CEO von Hochtief seit 1. April 2007
Vor fünf Tagen musste "Dr. Lü" Verluste im deutschen Baugeschäft melden. Heute, auf seiner ersten HV als Hochtief-Chef, will er die Aktionäre mit guten Nachrichten überzeugen: die Übernahme des Flughafens Budapest und mehr als 100 Millionen Euro erwarteten Gewinn für 2007.
Das Management by walking around sollte klar strukturiert sein (Mit wem rede ich wann?) und möglichst viele, anfangs vor allem interne Stakeholder einbeziehen: Vorstand, Mitarbeiter, Aufsichtsrat, Kunden, Gewerkschaften, Presse. Die Schlüsselpersonen, laut Zehnder-Studie: der Aufsichtsratsvorsitzende und direkte Mitarbeiter. Aus der eigenen Agenda und Gesprächsanalysen destilliert sich schließlich die Strategie.
Wer nicht, wie "Dr. Lü" nach vier Jahren bei Hochtief, intern aufrückt, für den gerät die Welcome-Tour der ersten Tage zum Parforceritt durch unbekanntes Terrain. Gleich am 1. Oktober, seinem ersten Arbeitstag als Chef von EnBW, traf Hans-Peter Villis auf dem Städtetag Baden-Württemberg in Stuttgart die Oberbürgermeister im Ländle - wichtige Kunden also und zum Teil auch Aktionäre. Dann weiter nach Karlsruhe, sich den engsten Mitarbeitern vorstellen, abends Gespräche mit Vorstandskollegen.
Danach ging es Schlag auf Schlag: Ministerpräsident Günther Oettinger, Betriebsrat, Belegschaftsversammlung, Glos, Steinmeier, und immer 150 Prozent Konzentration: "Das sind keine Small-Talk-Runden, da wird sofort inhaltlich hart diskutiert." Es geht um viel: Finanziell ist EnBW nach vier Jahren unter Utz Claassen zwar saniert. Ob der Neue der Richtige ist, eine plausible Wachstumsstrategie zu fahren und sich gegen den machtbewussten Großaktionär EdF zu behaupten, muss er in den kommenden Wochen noch beweisen.
© manager magazin 1/2008
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