Von Brigitte von Trotha, Mitarbeit: Sven Böll
Auktionsevents mit ihren inszenierten Bietergefechten liegen Ingvild Goetz genauso wenig wie Kunstmessen samt angeschlossenen Cocktailpartys. Die Sammlerin kauft am liebsten dort, wo noch das Werk im Mittelpunkt steht: beim Künstler selbst oder in seiner Galerie. Regelmäßig durchstreift sie Hinterhofateliers und Verkaufsräume - immer auf der Suche nach Talenten, die nicht die zwölfte Variation einer etablierten Schule produzieren, sondern etwas wirklich Neues schaffen.
Bei einem dieser Streifzüge stieß die Gründerin der gleichnamigen Sammlung in München Anfang der 90er Jahre auf Thomas Schütte. Zu einer Zeit, in der die Nachfrage nach Skulpturen auf dem Kunstmarkt sehr gering war, kaufte Goetz ein Exemplar seiner "United Enemies", zwei puppenartige Monster aus Fimo-Knete. Der Preis: 25.000 Mark.
Etwas mehr als eineinhalb Jahrzehnte später zeigt sich, dass Ingvald Goetz - um es mit den Worten ihres Mannes zu sagen - "als Trüffelschwein unschlagbar" ist. Als im vergangenen Oktober erstmals einer der "United Enemies" versteigert wurde, fiel der Hammer im Londoner Auktionshaus Christie's erst spät, sehr spät sogar: bei umgerechnet 360.000 Euro. In rund 15 Jahren hat sich der Wert der irritierenden Knetmonster damit um sagenhafte 2700 Prozent vervielfacht.
Goetz' Erfolgsrezept ist einfach: Allein die Qualität eines Künstlers zählt. Denn, das zeigt die Erfahrung, es sind vor allem die künstlerisch wertvollen Arbeiten, die langfristig Wertsteigerungspotenzial haben, weil sie sich unabhängig von Moden und Preissprüngen in Auktionshäusern und Messehallen entwickeln.
Doch wie erkennen Anleger, was der künstlerische Weizen ist und wo sich die plagiatorische Spreu versteckt? Eine exzellente Hilfe bei dieser Unterscheidung bietet das manager-magazin-Artpanel.