Von Wolfgang Hirn
Die Stimmung war gleich zu Beginn der Aufsichtsratssitzung am 24. Oktober vergangenen Jahres etwas gereizt. Eigentlich wollten sich die neuen Mitglieder - vier Herren und eine Dame - vorweg nur kurz vorstellen: Sie seien die Vertreter des Private-Equity-Unternehmens Permira, des neuen Eigners des Modekonzerns Hugo Boss
.
Kaum war die - in freundlichen Worten gehaltene - Vorstellungsrunde zu Ende, kam es zu einem ersten Eklat. Die Arbeitnehmervertreter wollten die Aussagen der Permira-Leute protokolliert haben. Diese lehnten das Ansinnen ab, weil sie, so ihre Argumentation, soeben als Permira-Angestellte und nicht als Aufsichtsräte gesprochen hätten. Ein bizarres Streitchen, eigentlich nicht der Rede wert. Aber es zeigt: Bei Boss ist die Stimmung nicht die beste.
"Warum seid ihr denn so aggressiv?", fragte Permira-Italien-Chef und Neuaufsichtsrat Gianluca Andena in der Mittagspause die Arbeitnehmervertreter. Na ja, in der Belegschaft von Boss sieht man den Einzug von Permira mit äußerst gemischten Gefühlen.
Man unterstellt den Private-Equity-Managern zunächst einmal alles denkbar Böse. Unausgesprochenes Motto der Angst: Permira will unser florierendes Unternehmen, das wir aufgebaut haben, ausschlachten.
Permira bei Boss - das ist ein interessanter Fall mit gewaltigem Konfliktpotenzial. In dem Bekleidungskonzern prallen zwei extrem unterschiedliche Kulturen aufeinander: hier die kreativen Bauchmenschen der Modewelt, dort die zahlenfixierten Kopfmenschen aus der Private-Equity-Branche.
© manager magazin 12/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH