"Wir würden die Früchte unserer Arbeit gern noch zu Lebzeiten ernten", sagt Venter zum Zeitplan. Projektpartner BP verspürt ähnlichen Drang und hat den Kooperationsvertrag deshalb zunächst auf dreieinhalb Jahre befristet, bis Ende 2010. Bis dahin, so Venter, könnte jedoch zum Beispiel ein neuartiges Flugbenzin patentiert sein - hergestellt vom "Venter-Keim". Schon laufen erste Versuche zur Umweltverträglichkeit des neuen Treibstoffs.
Craig Venter ist in einer Lebensphase angelangt, in der ihm nur noch das Alter Vorschriften und Grenzen auferlegt. Vom Trubel der Börsen hält er sich seit seinem Reinfall bei Celera fern; im wissenschaftlichen Umfeld hat er es zunehmend mit einer jüngeren Generation zu tun, die Venters computergestützten Methoden nicht mehr so skeptisch gegenüberstehen wie DNA-Enträtsler Watson und andere Veteranen.
Diese Veränderungen haben den Druck reduziert, unter dem Craig Venter in den letzten Jahren stand. So kann er es sich leisten, entspannt aufzutreten und den Idealisten zu geben. Im kalifornischen La Jolla baut Synthetic Genomics gerade einen neuen Campus, wie Firmengelände im Hightech-Jargon heißen. Venters nichtkommerzielles Forschungslabor hat sich beim US-Energieministerium um Fördergelder in zweistelliger Millionenhöhe beworben.
Doch trotz der Fortschritte im Kleinen verliert Craig Venter das große Ziel nicht aus den Augen: die Zukunft unserer Zivilisation. Für die bleibt er optimistisch - und kämpft dafür an allen Fronten. Öffentlich bei der Global Initiative des früheren US-Präsidenten Bill Clinton, wie auch hinter verschlossenen Türen im Kollegenkreis. Etwa bei der Eastover-Klausur in diesem Sommer, als ein halbes Dutzend Wissenschaftler verschiedener Disziplinen auf einer Farm in Connecticut zu dem Motto "Leben - was für ein Konzept!" tagten.
Es war gegen Abend, als Dimitar Sasselov, in Bulgarien geborener Astronom der Harvard-Universität, die in seinen Augen nur mäßigen Bedingungen beklagte, die die Erde für die Entwicklung von organischem Leben bereithalte. Im Vergleich zu den etwa 100 Millionen Planeten im Universum, auf denen die Forscher theoretisch die Möglichkeit eines Biotops sehen, sei "die Erde nicht besonders bewohnbar", schloss Sasselov.
Das konnte und wollte Craig Venter nicht stehen lassen. "Aber die Verhältnisse werden täglich besser!", schmetterte er seinen griesgrämigen Forscherkollegen entgegen.
Zumindest arbeitet er an der Verbesserung dieser Verhältnisse - und denkt darüber in kosmischen Dimensionen.