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manager magazin



10.12.2007
 

US-Wirtschaft

Nach der Orgie

Von Henrik Müller

Die Kreditkrise ist nur die sichtbare Oberfläche der amerikanischen Malaise. Dahinter wirken drei strukturelle Trends, die die US-Ökonomie auf Jahre schwächen werden - mit einschneidenden Folgen für die Weltwirtschaft.

Park Avenue: "Die Kanalisation hinunter"

Michael Metz ist 79 Jahre alt, aber er scheut sich nicht, das Wort "Orgie" zu benutzen.

Lädiertes Vorbild: Die USA werden für lange Zeit als Motor der Weltwirtschaft ausfallen
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AP

Lädiertes Vorbild: Die USA werden für lange Zeit als Motor der Weltwirtschaft ausfallen

Wie jeden Morgen ist er an diesem Freitag um halb acht Uhr ins Büro gekommen, ein enges Zimmer im 25. Stock des Metlife-Gebäudes in der Park Avenue in Midtown Manhattan. Er hat Ringe unter den Augen und wirkt angespannt. "Wir waren alle auf dieser verrückten Orgie", brummt er. "Jetzt kommt der Katzenjammer."

Über drei Flachbildschirme und Berge von Papier hinweg beobachtet er seinen kleinen Fernseher in der Ecke. Neun Uhr morgens, CNBC verkündet die neuesten Arbeitsmarktzahlen. Metz schüttelt den Kopf: "Ein absolutes Desaster."

Metz ist lange im Geschäft, seit Jahrzehnten lebt er mit dem Rhythmus der Märkte: andante, presto, largo. Er analysiert, argumentiert, ahnt, empfiehlt, warnt - das ist sein Job als Chefstratege der Investmentboutique Oppenheimer. Aber eine Konstellation wie derzeit, sagt Metz, die habe er noch nie erlebt. "Wir sind mittendrin in einer großen historischen Wende. Dieses Land verliert seine Position - ökonomisch, politisch, finanziell, kulturell."

Bei allem Respekt, Mr. Metz, ist das nicht ein bisschen übertrieben?

"Schauen Sie sich doch um: Unsere Infrastruktur ist die schlechteste in der westlichen Welt. Unser Bildungssystem entlässt viel zu viele Leute dumm ins Leben. Unsere Regierung ist indoktriniert von verrückten christlichen Fundamentalisten. Unser Parlament kommt mit einem Vorschlag nach dem anderen, die Grenzen dichtzumachen für Importe und Immigranten. New York als Weltfinanzzentrum steht zur Disposition ..."

Nein, nein, sagt Metz, diese Gesellschaft spüle sich gerade selbst "die Kanalisation hinunter".

Der Zorn des alten Mannes spiegelt die Stimmung in einem Land wider, das sich noch vor Kurzem für eine auserwählte Nation gehalten hat - Reich des Guten, weißer Ritter der Weltpolitik, Mittelpunkt der Weltwirtschaft.

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