Von Peter Brors und Martin Noé
Aktienkurs am Boden, Strategie unklar - nach allen Kriterien des Finanzmarktes ein Zerschlagungskandidat erster Güte.
Der Bund hat
René Obermann (44), seit nun knapp einem Jahr Vorstandsvorsitzender, muss mit diesen Erblasten leben. Die globalen Wachstumsmärkte im Mobilfunk sind weitgehend verteilt, die Erosion im Heimatmarkt geht nahezu ungebremst weiter, die Geschäftskundensparte T-Systems ist ein Sanierungsfall.
Obermann weiß selbst, dass seine ersten Erfolge daran wenig ändern: Die Finanzprognose mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von 19 Milliarden Euro wird nach zwei Gewinnwarnungen in Folge 2007 wohl erreicht; die hohen Arbeitskosten sinken zumindest hier und da durch die Einigung mit Verdi im Sommer; der Service bessert sich langsam, und durch die exklusive Vermarktung des iPhone wird das Weihnachtsgeschäft wohl angekurbelt; kleine Zukäufe im US-Markt runden das Bild ab. Doch Investoren sehen darin nur Leuchtspuren an einem dunklen Firmament, wie der nahezu unveränderte Aktienkurs belegt.
Was die Telekom braucht - darin sind sich Experten einig -, ist eine strategische Vision und die Chance, sie auch durchzusetzen.
Die Telekom muss schnell sein und beweglich, denn Geschwindigkeit ist ein Gut für sich in dieser technologisch getriebenen Branche. Sie muss endlich frei sein, oder sie wird bald nicht mehr sein.
Dass der Bonner Konzern das in all den Jahren seit der Privatisierung nie war, ist sein Schaden und kann sein Schicksal werden - die Chronik einer Beziehungskrise in vier Kapiteln.