Von Michael O. R. Kröher und Henrik Müller
Aber ein paar Stärken vermögen die Ministerialen dann doch zu erkennen. So schneiden die Bereiche Optik, Medizintechnik, neue Werkstoffe sowie die Produktionstechnologien gut ab.
Mit beachtlichem Geldeinsatz hofft die Bundesregierung nun die Schwäche bei den Spitzentechnologien lindern zu können. Knapp 12 Milliarden Euro sollen im Rahmen der Hightech-Strategie bis 2009 in 17 Hochtechnologiegebiete fließen. Hinzu kommen knapp 2,7 Milliarden Euro für "technologieübergreifende Querschnittsmaßnahmen". Dazu gehören etwa Verbesserungen der F&E-Bedingungen für den "innovativen Mittelstand" oder Unterstützungszahlungen für die Gründung neuer Technologieunternehmen.
Gut gemeinte Subventionen. Wie viel sie nützen? Abwarten. Denn das Nadelöhr auf dem Weg vom Geist zum Geld beheben sie nicht: Deutsche Spitzenforscher halten sich immer noch zurück, wenn es um die wirtschaftliche Verwertung ihrer Erkenntnisse geht.
Die Wissenschaftler, meint Nobelpreisträger Hänsch, "finden oft nicht die richtigen Nischen, aus denen heraus sie sich etablieren könnten. Oder sie können sich nicht durchsetzen".
Immerhin: Einige positive Beispiele für solchen Hightech-Transfer gibt es inzwischen. So sind auf dem Feld des "Tissue-Engineering" (Gewebezüchtung im Labor) und der Zelltherapie - in Hänschs Buch durch die Experimente mit neu gezüchteten Herzklappen vertreten - einige erfolgreiche Unternehmen entstanden.
Etwa die Freiburger Biotissue, die Knorpel- und Knochentransplantate passgenau züchtet, um damit Arthrose oder vom Krebs zerfressene Knochen zu heilen. Oder die Weinheimer Cytonet, die ein neuartiges Leberzellpräparat entwickelt zur Behandlung schwerer Vergiftungen oder angeborener Organschäden. Cytonet gehört zum Biotech-Unternehmensverbund von SAP-Gründer Dietmar Hopp.
Auch Theodor Hänsch wagt seit einigen Jahren einen Ausflug in die Wirtschaft. Er hat ein Unternehmen der Spitzentechnologie mitgegründet: Die Martinsrieder Menlo Systems entwickelt und vermarktet ultrapräzise Lasermessgeräte, die auf Hänschs nobelpreiswürdige Entdeckung des Frequenzkamm-Generators zurückgehen.
Der Quantenoptiker macht damit vor, was er sich von der deutschen Forschergilde insgesamt wünscht: "Wissenschaftler sollten auch unternehmerisch denken - und handeln."