Von Michael O. R. Kröher und Henrik Müller
Im Bristol Channel, gut drei Kilometer vor der Küste von Devon, ragt eine Eisenplattform aus den Fluten. Ein schlichtes Gebilde, das nichts verrät von dem Wunderwerk der Technik, das an einem Trägerrohr unter der Wasseroberfläche arbeitet: Ein Rotor, elf Meter im Durchmesser und geformt wie die Flügel eines zweiarmigen Windrads, dreht sich langsam im Strom der Gezeiten. Der Propeller treibt eine Turbine, die 300 Kilowatt Strom liefern kann - unsichtbar, geräuschlos, klimaneutral und auch sonst ökologisch unbedenklich.
"Wir machen aus der natürlichen Energie der Erde verwertbaren Strom", sagt Jochen Bard, Projektleiter am Kasseler Institut für Solare Energieversorgungstechnik (Iset), das den Prototyp für ein Strömungskraftwerk maßgeblich mitentwickelt hat.
Schon Ende dieses Jahres soll "SeaGen", die nächste Ausbaustufe der neuen Technologie, vor der nordirischen Küste installiert werden. Die Doppelrotoranlage wird bereits 1,2 Megawatt liefern, so viel wie eine mittelgroße Windturbine.
Binnen fünf Jahren, schätzen die Entwickler aus Kassel und aus dem englischen Bristol, sollen die Unterwasserturbinen zur Serienreife gebracht werden - und einen profitablen Elektrizitätserzeuger abgeben. Dann könnten Meeresströmungskraftwerke die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ergänzen: Neben Windkraft, Geothermie und Solarenergie würden sie einen weiteren Baustein im klimaschonenden Energiemix der Zukunft bilden.
Das Interesse der Wirtschaft an der neuen Technologie sei beachtlich, erzählt Bard: Maschinenbauer wie Voith Siemens und Bosch Rexroth, aber auch Energiekonzerne wie EnBW planten, in die Unterwasserrotoren zu investieren. Davon profitiert das Iset: Die Drittmittelbudgets für Industrieforschung haben sich gegenüber 2004 verdoppelt.
© manager magazin 10/2007
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