Von Ursula Schwarzer
Nicht einmal auf ihre sozialen Engagements geht die Cofra näher ein. Insider schätzen, dass jedes Jahr mehrere Millionen Euro an die Kirche, in die Forschung, an Hilfsorganisationen und in den Naturschutz fließen. Wie hoch der Betrag genau ist? Kein Kommentar.
Alles bleibt geheimnisumwoben. Auch auf Fragen nach dem globalen Anthos-Netzwerk - immerhin eines der größten Family-Offices der Welt - heißt es kategorisch: "Dies sind Familienangelegenheiten, darüber erteilen wir keine Auskunft."
Steuererklärungen ausfüllen, Testamente erstellen, Finanzen managen - ein Brenninkmeijer muss sich um nichts kümmern, alles erledigen Heerscharen von Anthos-Spezialisten. Sogar ein Geldinstitut hat sich die Familie zugelegt. Die Anthos Bank, die über Einlagen von mehr als 700 Millionen Euro verfügt, verwaltet die privaten Vermögen und stellt, wenn es nötig ist, Kredite bereit.
Die Anthos-Zentrale hat ihren Sitz in Amsterdam, weil in Holland die meisten Clanmitglieder leben. Doch auch in Deutschland - hier heißt die Dependance Cora - und in allen sonstigen Ländern, in denen sich ein Familienangehöriger niedergelassen hat, sind die diskreten Helfer zur Stelle.
Das Rundum-sorglos-Paket, das die Anthos bietet, deckt alle Eventualitäten des Alltags ab. Steht etwa ein Umzug an, was ständig vorkommt, weil Jobrotation Pflicht ist, muss die genervte Ehefrau keine Packer engagieren, keine neue Bleibe suchen und nicht einmal die Hundemarke für Bello beantragen. Anthos sei Dank.
Zweifellos, es hat seine Vorteile, als Brenninkmeijer geboren zu werden. Wäre da nur nicht das enge selbst verordnete Korsett.
Bis zur Jahrtausendwende hat es kaum ein Familienmitglied gewagt, einen anderen Berufsweg einzuschlagen als den eines Fetzentandlers oder den des Priesters. Das hat sich geändert. Inzwischen ist rund ein Dutzend Brenninkmeijers aus dem Trott ausgebrochen. Wie der Schauspieler Philippe Brenninkmeyer (42), der sich "das weiße Schaf der Familie" nennt - oder auch George.
Er hat sich im Jahr 2000 als Business-Angel in Berlin selbstständig gemacht und eine Beteiligungsgesellschaft gegründet. Nach 24 Dienstjahren bei C&A habe er die "Flügel ausbreiten" und sich entfalten wollen. Würde ihn jetzt, wo er der Fuchtel des Gesellschafterrats entronnen ist, nicht doch mal ein schicker Sportflitzer reizen?
Noch einmal schaut George dem Ferrari nach, der gerade mit quietschenden Reifen von der Ampel losfährt. "Nein", sagt er, "wir bleiben auf dem Boden, für Dinge, die nicht notwendig sind, geben wir kein Geld aus." Sagt's, dreht sich auf dem Absatz um und steuert die nächste Bushaltestelle an.