09.10.2007
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Hochschulen

"Mittelmaß durchbrechen"

Von Michael O. R. Kröher

Konrad Osterwalder, über viele Jahre Rektor der ETH Zürich, sagt im Gespräch mit manager magazin, woran deutsche Universitäten kranken und welche Erfolgschancen er der Exzellenzinitiative einräumt.

mm: Herr Osterwalder, in internationalen Rankings tauchen die deutschen Hochschulen seit vielen Jahren erst um Platz 50 auf. Die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern, die im Oktober neue Elite-Unis küren wird, soll diesen misslichen Zustand jetzt ändern. Sehen Sie schon Fortschritte?

Hochschulmanager Osterwalder: Der 65-jährige Professor für Mathematische Physik war bis Ende August Rektor und Präsident der renommierten ETH in Zürich. Zuvor lehrte er in New York City und in Harvard. Seit September leitet Osterwalder die UN-University in Tokio, einen Think-Tank der Vereinten Nationen.
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Helmut Wachter

Hochschulmanager Osterwalder: Der 65-jährige Professor für Mathematische Physik war bis Ende August Rektor und Präsident der renommierten ETH in Zürich. Zuvor lehrte er in New York City und in Harvard. Seit September leitet Osterwalder die UN-University in Tokio, einen Think-Tank der Vereinten Nationen.

Osterwalder: Ja. Viele deutsche Unis haben ein großes Stück jener Autonomie zurückgewonnen, die sie in den Jahrzehnten zuvor aus politischen Gründen verloren hatten. Exzellente Wissenschaft braucht Autonomie, um sich selbst Ziele zu setzen und die Methoden zu finden, mit denen sich diese Ziele erreichen lassen.

mm: Ist diese Entscheidungsfreiheit besonders wichtig?

Osterwalder: Etwa bei Berufungen. Jeder Uni-Präsident soll allein beschließen können, welchen Professor er zu welchen Bedingungen einstellt. Nur so kann er erreichen, dass er tatsächlich den leistungsfähigsten und aussichtsreichsten Kandidaten ernennt. Die Beamten des Ministeriums haben an dieser Stelle nichts mitzureden.

mm: Die deutschen Uni-Präsidenten müssen sich bei Berufungen an die zahllosen Vorschriften des öffentlichen Dienstes halten. Was bewirkt, dass viele aussichtsreiche Wissenschaftler ins Ausland wechseln - wo die Besoldung und Ausstattung der Lehrstühle mit Personal und Laborgerät freizügiger gestaltet werden kann, etwa an die ETH Zürich.

Osterwalder: Stimmt. Hier sind die deutschen Hochschulen noch im Nachteil. Aber einige führende Institute holen bereits gewaltig auf, etwa die beiden Münchener Universitäten oder die TU Karlsruhe. Hoffentlich auch die künftigen Gewinner der Exzellenzinitiative.

mm: Die ETH hat als Bundeshochschule deutliche Vorteile gegenüber den deutschen Unis, die fast alle den nicht selten finanzschwachen Ländern unterstellt sind. Ist das föderale System auch die Ursache für die Malaise der übrigen deutschen Hochschulen?

Osterwalder: Das föderale System hat seine Berechtigung, wo Hochschulen den Forschungs- und Ausbildungsbedarf einer Region decken. Die Exzellenzinitiative bietet jetzt jedoch die Chance, die Schwächen des föderalen Hochschulsystems auszugleichen.

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