Von Michael Freitag und Ulric Papendick
Bankenrunde. Das Wort verheißt nichts Gutes. Es kündet von Nachforderungen, von Liquiditätsengpässen, im Extremfall von Pleitegefahr, jedenfalls aber von unerfreulichen Überraschungen.
So ist auch den gut 30 Unterhändlern wenig feierlich zumute, die Ende Juli dieses Jahres in New York zusammenkommen. Die Abordnungen fünf amerikanischer Großbanken prallen auf die Spezialisten des Automobilkonzerns DaimlerChrysler und des Finanzinvestors Cerberus. Ort des Geheimtreffens: die Cerberus-Büros hoch über der New Yorker Park Avenue.
Es geht um Kredite über 62 Milliarden Dollar, um die Konditionen der größten privaten Finanztransaktion in der Geschichte der USA - und nicht zuletzt um die spektakulärste Scheidung der Wirtschaftsgeschichte: den Verkauf der maroden Daimler-Tochter Chrysler.
Es sieht nicht gut aus für den Megadeal an diesem heißen Nachmittag in New York: An der Wall Street geht die Angst um vor den Folgen der amerikanischen Immobilienkrise. Kredite, zuvor so einfach zu handeln wie die Hot Dogs unten auf der Straße, sind plötzlich heiße Ware. Wer sie weiterreichen will, muss gehörige Abschläge in Kauf nehmen - oder auf bessere Zeiten warten.
Unter diesen Vorzeichen eine Milliardenübernahme perfekt zu machen scheint beinahe hoffnungslos. Die Banker fürchten Verluste in dreistelliger Millionenhöhe, verlangen Nachbesserungen oder einen Aufschub bis in den Herbst. Die Daimler-Emissäre wollen die Transaktion sofort über die Bühne bringen.
"Der komplette Deal", erinnert sich einer der Verhandlungsführer, "stand auf des Messers Schneide."
Als die Unterhändler nachts um drei Uhr auseinandergehen, ist der Verkauf von Chrysler dennoch perfekt. Die Banken haben nachgegeben - die Ausstiegsklauseln in den bereits unterschriebenen Verträgen waren nicht belastbar. Daimler
hat eine weitere Kreditlinie von 1,5 Milliarden Dollar zugesagt, um den Verkauf der maroden Tochter zu sichern.