Von Sven Böll und Patricia Döhle
Bernd Ehmke (40) ist eigentlich ein grundsolider Typ. Fast sein halbes Leben arbeitet der Mann bei der Landesbank Berlin (LBB); er wirkt zurückhaltend, ehrlich. Sein Anzug sitzt für einen Sparkassenmitarbeiter auffallend gut, weder buntes Hemd noch Mottokrawatte stören den seriösen Eindruck.
Nur wenn Ehmke auf den letzten Coup der LBB zu sprechen kommt, ein strukturiertes Finanzprodukt mit dem exotischen Label "Naya Bharat Indien Property"
, brechen die Marketinggene des Bankers durch: "Wir sind stolz, dass wir das in so kurzer Zeit erfolgreich gestemmt haben."
Zum Schwärmen indes besteht kein Anlass - eher zum Fürchten. Hinter Naya Bharat verbirgt sich ein Finanzkonstrukt, das dem Anleger die Beteiligung an der Entwicklung eines indischen Immobilienindex suggeriert. Was sich nach einem breit gestreuten Investment anhört, ist in Wahrheit eine hoch riskante Angelegenheit.
Denn das LBB-Zertifikat hängt an der Wertentwicklung einer einzigen Aktie: der Naya Bharat Property Plc mit Sitz im Steuerparadies Isle of Man und Börsennotierung am Londoner AIM, einem Segment, das nicht unbedingt für seine Seriosität berühmt ist.
Naya Bharat soll sich zwar in indische Immobilienunternehmen einkaufen. Ob deren Wertzuwächse aber jemals bei den Inhabern des Zertifikats ankommen, ist ungewiss. Bislang spricht jedenfalls wenig dafür. Laut Naya Bharat legten ihre Beteiligungen von Ende Februar bis Anfang Juni um stolze 18 Prozent zu. Das Zertifikat erzielte im selben Zeitraum hingegen keine Rendite.
Die Geschichte des LBB-Zertifikats mag sich wie ein Stück aus der Finanz-Alchimistenküche lesen. Tatsächlich aber handelt es sich bei der Konstruktion der Landesbanker nicht um einen Einzelfall, sondern um eine verbreitete Praxis: Tausende ähnlich konstruierter Zertifikate liegen bereits in den Depots deutscher Anleger. Tausende kommen jedes Jahr hinzu.