Von Helene Endres
Ihr Abteilungsleiter hat sie geschickt. Jetzt sitzt eine Handvoll technischer Betriebswirte, Ingenieure und Informatiker eines großen Maschinenbauers aus dem Schwäbischen vor Texten und soll erklären, worum es darin geht.
Sie stammeln herum, ist ja auch irgendwie recht kompliziert. Die Aussage? Hmh, also so direkt, schwer zu sagen. Würden sie das beschriebene Produkt kaufen? Ähh, nun, nein.
Peinlich, da sie die Texte selbst geschrieben haben. Diese Standardübung von Sprachtrainer Markus Reiter öffnet vielen der Teilnehmer die Augen: "Die Leute kommen zu mir, weil es nicht reicht, dass sie fachlich gut sind. Wer Karriere machen will, muss sich auch verständlich ausdrücken können - das heißt anderen deutlich machen, was man meint."
Leichter gefordert als getan. Die Gruppe heute soll eine spezielle Turbine verkaufen - was sie aufgeschrieben hat, sind technische Fakten. Was gut gewesen wäre: dem Käufer klarzumachen, was das Produkt auszeichnet und warum es wesentlich besser ist als das günstigere Modell aus Korea. Auf der Basis von Fakten, aber in einer allgemein verständlichen Sprache.
Sprachtrainer wie Reiter sind derzeit gut im Geschäft. Denn die Sprachverwirrung quer durch Deutschlands Unternehmen hat auch dank des globalisierten Wirtschaftsdenglisch einen neuen Höhepunkt erreicht. Dabei machen diejenigen, die mit ihrer Fachsprache alles verkomplizieren, nur eine Hälfte des Übels aus. Fast noch schlimmer sind diejenigen, die nichts zu sagen haben, aber trotzdem mitreden wollen: Auch wer nichts Neues weiß, mischt seine Managerphrasen mit in die Dauerbeschallung von internen Mitteilungen, Kundenpräsentationen, Mitarbeitergesprächen.