Von Klaus Werle
Mit seinem Wunsch rührt Döbler an den vielleicht sensibelsten Aspekt der Karriere im Alter: Viele Führungskräfte sind gern bereit, länger zu arbeiten - allein, oft fehlen die entsprechenden Modelle.
Und wenn die Älteren einfach länger auf ihren Posten bleiben, schwimmen den Jüngeren die Felle davon: Beförderungsstau. Was also tun mit den Senioren, deren Erfahrung man dringend benötigt, die aber auch Platz schaffen müssen für die Jungen? Man kann ja schlecht sagen: "Es muss aussehen wie ein Unfall ...". Erst nach und nach beginnen die Firmen, Modelle für alternative Seitwärts-Karrierewege zu entwickeln.
Die Ergebnisse der mm-Studie unterstreichen den Bedarf an solch alternativer Laufbahngestaltung: 66 beziehungsweise 49 Prozent der Befragten möchten ab 60 in Projekt- oder Teilzeitarbeit wechseln; mehr als drei Viertel wünscht sich hierfür "flexiblere Arbeitszeitmodelle", um die Karriere langsam ausschwingen zu lassen.
"Die Firmen müssen weg vom hierarchischen Denken, von der Idee permanenten Aufstiegs", sagt Personaler Pfister, "und hin zu stärker horizontalen Bewegungen". Ohnehin seien ältere Manager "weniger durch Geld oder hohe Positionen zu motivieren, sondern durch größere Freiheiten und Anerkennung ihrer Erfahrung", hat die Rostocker Expertin Tivig beobachtet. Kreative, individuelle Konstruktionen als Berater, Coach oder Mentor bieten sich an.
Noch aber gilt oft als Verlierer, wer aus der Linienfunktion in ein nebulöses Beraterverhältnis wechselt. "Es muss ein generelles Umdenken in den Unternehmen geben, was die Wertschätzung alternativer Karrierewege angeht", fordert Professorin Staudinger.
Ein bisschen Umdenken, glaubt die Psychologin, würde im Übrigen dem ganzen Land nicht schaden, das sich so gern in endzeitlichen Szenarien vom "Gerassic Parc" und Heerscharen hungernder Pensionäre ergeht. "Die Gefahr ist groß", sagt Staudinger, "dass wir die allgemeine Panikmache auf unser persönliches Älterwerden übertragen und uns damit selbst großer Chancen berauben." Denn wer sich im Alter nichts mehr zutraut, gerät in eine psychologische Abwärtsspirale: Er leistet weniger, als er könnte. Und stirbt deutlich früher.