18.09.2007
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Verteilungspolitik

Die große Kluft

Von Henrik Müller und Christian Rickens

8. Teil: "Ein Oberschichtenproblem"

Werners Heilsversprechen klingt simpel: Jeder Bürger soll ein "bedingungsloses Grundeinkommen" bekommen. Bis zu 1500 Euro im Monat, ohne Gegenleistung, ohne Prüfung der Bedürftigkeit. Sicherheit in turbulenten Zeiten will er den Bürgern vermitteln. Ein würdiges Leben für alle, egal was ihnen widerfährt. Eine Therapie gegen die Angst - das macht die Anziehungskraft aus.

Ohne Gegenleistung: Bis zu 1500 Euro Grundeinkommen im Monat soll jeder Bürger bekommen, fordert Götz Werner, Inhaber der dm-Drogeriemärkte
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DPA

Ohne Gegenleistung: Bis zu 1500 Euro Grundeinkommen im Monat soll jeder Bürger bekommen, fordert Götz Werner, Inhaber der dm-Drogeriemärkte

Was wie die menschenfreundliche Utopie eines älteren Herrn anmutet, findet inzwischen Verfechter in nahezu allen ideologischen Lagern: Der liberale Ökonom Thomas Straubhaar plädiert ebenso für eine Grundsicherung wie der CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus. Beide denken allerdings eher an eine Basisabsicherung auf Hartz-IV-Niveau.

Bislang konzentriert sich die Verteilungsdebatte auf die Absicherung am unteren Ende der Einkommensskala - ob Grundeinkommen vom Staat oder gesetzliche Mindestlöhne vom Arbeitgeber, wie sie SPD und Gewerkschaften fordern, oder das Mindestlohn-Lohnsubventions-Modell des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger. Auch ertragsabhängige Gehaltsbestandteile und Mitarbeiterbeteiligungen können die derzeitigen Umverteilungstrends allenfalls mildern.

Offensive Strategien sehen anders aus. Etwa so: der forsche Ausbau des Bildungssystems. Hier hat Deutschland enormen Nachholbedarf. Die Hebung der Bildungsstandards für alle Bürger - "das ist die einzige wirklich wirksame Lösung", sagt die Berliner Soziologin Jutta Allmendinger. Keine schnelle Sozialreparatur, natürlich. "Das höre ich seit 20 Jahren, ohne dass Substanzielles passiert wäre".

Am Frust der heutigen Beschäftigten kann die Politik kaum etwas ändern. Die Egalität der Nachkriegsjahrzehnte ist Geschichte. Viel wäre schon gewonnen, wenn die Mittelschichten künftig überhaupt Wohlstandszuwächse bekämen.

Die Gewinner der Globalisierung allerdings dürften sich ihrer Verantwortung nicht länger entziehen, meint Götz Werner: "Alle reden davon, dass wir in Deutschland ein Problem mit der Unterschicht hätten. In Wahrheit haben wir ein Oberschichtenproblem." Die Oberschicht habe das Geld und den Intellekt und die Zeit, um soziale Probleme zu lösen. "Der Obdachlose im Stadtpark ist zu sehr damit beschäftigt, sein eigenes Überleben zu organisieren."

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