Von Thomas Werres
Ein Aufsichtsrat gibt anerkennend zu Protokoll: "Es ist schon erstaunlich, wie ein Firmenteil, der unter Bayer ein Schmuddelkasten war, unter einer neuen Führung und mit neuem Freiraum reüssieren kann."
Von einem nachhaltigen Turnaround von Lanxess kann dennoch keine Rede sein. Unter dem Dach des jungen Konzerns befinden sich etliche Baustellen. Mehr als ein Drittel der Geschäfte ist nach wie vor rot. Andere liefern kümmerliche Margen, wieder andere besitzen nur ein geringes Potenzial nach oben. Obendrein hat Lanxess einen Überhang an Standorten, die mit alten Anlagen bestückt sind und deshalb schlichtweg zu teuer produzieren.
Auch nachdem Heitmann Kostgänger mit insgesamt 1,4 Milliarden Euro Umsatz aussortiert hat, müssen wegen allzu schwacher Performance möglicherweise zwei weitere große Geschäftseinheiten verkauft werden. Dazu gehört der Rest der Kunststoffdivision mit etwa 800 Millionen Euro Umsatz. Außerdem die Feinchemikaliengesellschaft Saltigo, die Vorprodukte für die Pharma- und Agrochemie-Industrie herstellt (400 Millionen Euro Umsatz).
Bei Saltigo - der Firmenname war einst als Alternative zum Konzernnamen Lanxess kreiert worden - hat die Lanxess-Mannschaft bereits das komplette Repertoire der Restrukturierungskunst ausgeschöpft: Anlagen wurden dichtgemacht, Stellen abgebaut, Löhne gekürzt, die Lieferbeziehungen zum damaligen Hauptkunden Bayer reduziert und neue Kunden in der Pharmabranche akquiriert. Doch ordentliche Erträge sind offenbar immer noch nicht drin.
Starke Konkurrenz begrenzt die Marge (Ebitda) Experten zufolge nach oben auf maximal 15 bis 20 Prozent. Und das, obwohl das Risiko vergleichsweise groß ist. Ein milder Winter etwa lässt Absatz und Marge rasch einbrechen, weil weniger M+S-Reifen geordert werden.
Andere gutgehende Sparten wie die Lederchemikalien (geschätzter Umsatz: rund 350 Millionen Euro) sind zu klein, um den Konzern insgesamt spürbar nach oben zu schieben.