Von Dietmar Palan und Ulric Papendick
Viele Topmanager haben sich ein derart weiches Abfindungskissen zugelegt, dass die von ThyssenKrupp- und Siemens-Aufseher Gerhard Cromme (64) geleitete Corporate-Governance-Kommission die Change-of-Control-Zusagen Mitte Juni auf zwei Jahresgehälter begrenzt hat.
Gehaltsabrechnung: Josef Ackermann (l.), die Nummer eins der Deutschen Bank, ist Deutschlands Topverdiener - gefolgt von Puma-Lenker Jochen Zeitz (M.) und SAP-Chef Henning Kagermann
In vielen Aufsichtsräten dominiert ein Netzwerk aus Managern, die dem Vorstand, den sie eigentlich kontrollieren sollen, über vielfältige Kunden- und Lieferantenbeziehungen verbunden sind. Es geht zu wie in den besten Zeiten der Deutschland AG: Ein Geflecht wechselseitiger Abhängigkeiten, das kaum einer durch ein Veto in Gehaltsfragen gefährden will.
Die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten winken die Vorstandssaläre meist anstandslos durch. Gewerkschafter ziehen zwar gern öffentlichkeitswirksam gegen überhöhte Managergehälter zu Felde. Wenn es ernst wird, halten die Arbeiterführer aber meist still, "weil sie sich Gegenleistungen erwarten, zum Beispiel Rücksichtnahmen bei anstehenden Rationalisierungsrunden", berichtet ein deutscher Multiaufsichtsrat.
Die Vorstände selbst munitionieren sich wiederum bei hoch spezialisierten Gehaltsberatern für die nächste Vergütungsrunde. Und Consultants wie Towers Perrin oder Hewitt konstruieren bereitwillig hoch dotierte und kaum durchschaubare Arrangements - weil sie im Gegenzug mit lukrativen Folgeaufträgen aus der Personalabteilung der jeweiligen Konzerne rechnen können.
Unabhängige Investoren setzen das Gehälterthema bislang nur in Einzelfällen auf die Agenda. Wie etwa der belgische Deminor-Fonds, der die im MDax notierte Depfa Bank wegen der überaus großzügigen Vergütungspakete des Vorstandschefs Gerhard Bruckermann scharf attackierte.