Von Dietmar Palan und Ulric Papendick
Die Karriere des Harry Roels (58) ist überaus bemerkenswert. Als der Holländer Mitte 2002 seinen Vertrag als Vorstandschef beim Essener Energieriesen RWE unterschrieb, ließ er sich erst einmal 1,5 Millionen Euro Antrittsgeld zusichern und verabschiedete sich anschließend in einen mehrmonatigen Urlaub. In den folgenden fünf Jahren verkaufte er alles, was nicht niet- und nagelfest war, und schrumpfte den Versorger zum reinen Stromlieferanten. Es gab üppige Dividenden, der Kurs stieg um den Faktor vier.
Ob der Ausverkauf dem Konzern bekommt, ist eine ganz andere Frage. Denn viel wusste Roels mit der prall gefüllten Konzernkasse nicht anzufangen. Die Orientierungslosigkeit hat die Firma zum Übernahmekandidaten werden lassen.
Harry Roels dürfte das kaum stören. Wenn er seinen Vertrag erfüllt und spätestens Anfang 2008 abtritt, hat er für fünf Jahre Dienst mehr als 40 Millionen Euro kassiert. Allein im vergangenen Jahr strich Roels mit der Auszahlung eines Optionspakets aus dem Jahr 2004 insgesamt mehr als 12 Millionen Euro ein.
Bis zu sechs Millionen Euro dürfte es noch einmal obendrauf geben. Damit dieser zusätzliche Geldstrom zu fließen beginnt, muss sich der RWE-Kurs
lediglich besser entwickeln als der von "25 Prozent der Vergleichsfirmen". Mit anderen Worten: Die Strommanager fangen bereits an zu kassieren, wenn sie das schlechteste Viertel der Konkurrenz schlagen.
Und selbst ein vorzeitiger Abgang, über den gerade wieder spekuliert wird, dürfte sich für den Holländer auszahlen. Bis zu zehn Millionen könnten fällig werden, wenn Roels eher als geplant durch seinen designierten Nachfolger, den Stahlunternehmer Jürgen Großmann (55), ersetzt wird.
Roels mag ein besonderes Talent beim Aushandeln seines Salärs bewiesen haben. Aber seine Kollegen aus den Chefetagen der anderen Dax-Konzerne haben daraus gelernt: Das Gehaltsniveau deutscher und europäischer Topmanager ist in den vergangenen Jahren regelrecht nach oben geschossen.