Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner
mm: In vielen Manufakturen im Schweizer Jura herrscht weithin Hightech-Betrieb, computergesteuerte Automaten haben längst Einzug in die Uhrmacherwerkstätten gehalten. Wo bleibt da das schöne Idyll des Handwerksbetriebs nach Altväter Sitte?
Hayek: Wir schneiden nicht mehr jedes Teil von Hand. Das können die Maschinen schneller und genauer. Aber bei einer Breguet etwa, die aus mehr als 700 Einzelteilen besteht, ist beim Zusammensetzen von Teilen, bei der Gestaltung, Anpassung und der Dekoration noch enorm viel Handarbeit vonnöten.
mm: Wie groß sind die Probleme, die Sie mit gefälschten Uhren, etwa aus China, haben?
Hayek: Enorm groß. Wir müssen darauf drängen, dass die chinesische Regierung Fälscher härter bestraft. Wird einer erwischt, dann bekommt er eine Geldbuße und wird nach ein paar Tagen oder sogar Stunden Knast wieder nach Hause geschickt. In Amerika gibt's dagegen sieben Jahre Gefängnis. Das ist der Unterschied. Nicht wir allein sind jetzt gefordert, denn die Schweiz ist nur ein kleines Land. Da müssen die Europäische Union und die USA mitmachen, denn es sind nicht nur Uhren, sondern auch andere Luxusartikel, die der Produktpiraterie zum Opfer fallen. Man muss den Chinesen deutlich machen, dass sie mehr Geld verdienen, wenn sie uns legale Ware verkaufen statt illegale.
mm: Sie beaufsichtigen den Verwaltungsrat, in dem auch Ihre Tochter Nayla vertreten ist. Ihr Sohn Nick ist CEO der Swatch Group, Ihr Enkel Marc führt die Marke Blancpain. Ist das nicht ein bisschen viel Familie für ein Unternehmen?
Hayek: Ganz im Gegenteil. Wenn Sie sehen, welches Unheil Hedgefonds im Moment anrichten und was Investmentbanker mit der Industrie auch in der Schweiz treiben, werden Sie mir zustimmen. Die Swatch-Group ist heute mit über 20 Milliarden Schweizer Franken an der Börse kapitalisiert. Die Marke Omega allein können Sie für acht oder sogar für zehn Milliarden verkaufen. Aber weil wir alle in diesem Unternehmen mit Herzblut tätig sind, kommt keiner auf die Idee, Aktien zu verkaufen, um sich vielleicht auf einer einsamen Insel ein schönes Leben zu machen. Das passiert auch nach meinem Tod nicht, dafür liebt meine Familie diese Firma zu sehr.