Von Sven Böll und Klaus Werle
Think global, tja, da muss Herr Pilawa doch mal kurz lachen. Klar, Business verändert sich, man muss nur rausgucken, da hinten fing ja früher die Braunkohlegrube an. Garzweiler. Gewaltige Bagger, Old Economy, Vergangenheit.
Die Zukunft der Wirtschaft dagegen, sie ist: digital, vernetzt, kundenorientiert. Und Norbert Pilawa, Anbieter kaufmännischer Dienstleistungen, will dabei sein. Er hat 250 Kontakte beim Online-Businessnetzwerk Xing
Dreizehn Klein- und Kleinstunternehmer sind gekommen, der smarte Werbefachmann ist da, der redselige Leasingexperte und natürlich der nette Herr vom Finanzvertrieb. Die Fliederfarbendichte ist hoch, das Netzwerker-Mantra allgegenwärtig ("Und was machen Sie so?"), und wer im Gegenüber kein Potenzial erkennt, wechselt den Stehtisch schneller als ein Paar nasse Socken. Es ist wie Speed-Dating, nur ohne Sex.
Von RWE, dem wichtigsten Arbeitgeber der Region, ist leider keiner da; auch nicht von anderen Lokalgrößen wie dem Chipshersteller Intersnack. Für Norbert Pilawa läuft es trotzdem gut: Von einer Grafikerin hat er sich überzeugen lassen, dass der Charme des Selbstgemachten, den seine Website ausstrahlt, ein trügerischer ist - im Gegenzug macht er vielleicht ihre Steuererklärung.
Die Bilanz des Abends: Penny-Business mit Lokalkolorit. Kleine Münze, präsentiert von Xing.
Think global? "Was sollen wir in Grevenbroich mit dem Spruch?", meint Pilawa, "hier machste Business 20 Kilometer um den Kirchturm herum."
Solche Treffen der Xing-Gemeinde finden quer durch die Republik statt, von München bis Greifswald. Das Online-Netzwerk soll auch offline Früchte tragen. Die Teilnehmermischung ist immer gleich: Vertriebler, Kleinunternehmer und Angestellte, die auf der Karriereleiter noch viel Luft nach oben haben. Grevenbroich ist überall.
© manager magazin 6/2007
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