mm: Klingt nach einem typischen Beraterschlagwort. Was verbirgt sich dahinter?
mm: Wo liegt der Unterschied zur heutigen Rolle des Vorstandschefs?
Raynor: Heute legt meist der CEO selbst das ganze Unternehmen auf eine Strategie fest und verkauft die Strategie auch nach außen. Das Modell Steve Jobs eben.
mm: Das entspricht durchaus der herrschenden Meinung unter Anlegern: Die Risikostreuung sollte nicht das einzelne Unternehmen erledigen. Das mache ich lieber selbst, indem ich verschiedene klar fokussierte Firmen in mein Portfolio aufnehme.
Raynor: Sicher, und wenn sich ein Unternehmen deshalb ganz auf eine Strategie festlegen will und sich die Anleger des Risikos bewusst sind - warum nicht. Aber meiner Meinung nach werden die enormen Kosten, die mit falschen strategischen Festlegungen einhergehen, derzeit systematisch unterschätzt. Unsere Studie hat ergeben, dass 30 Prozent aller Unternehmenspleiten durch falsche Strategien entstehen.
mm: Welche Firmen sind für Sie Vorbilder in Sachen strategische Flexibilität?
Raynor: Zum Beispiel der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson, in dem die einzelnen Unternehmenssparten große strategische Freiheit genießen. Oder auch Microsoft. Zwischen 1994 und 2005 hat sich Microsoft an über 200 verschiedenen Firmen beteiligt. Bill Gates wusste damals: Das Internet würde die Computerwelt verändern. Aber er wusste nicht, in welcher Weise. Also hat er mit den Beteiligungen möglichst viele strategische Optionen geschaffen, von denen er nur einige schlussendlich ausgeübt hat. Der Erfolg gibt ihm recht.