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24.07.2007
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Management

"Fokussieren bis zur Pleite"

Von Christian Rickens

4. Teil: "Der Erfolg gibt ihm recht"

mm: Klingt nach einem typischen Beraterschlagwort. Was verbirgt sich dahinter?

Glaubensstreit: Die Konglomeratsdebatte

Die Frage: Sind Unternehmen besonders erfolgreich, die ihr Risiko auf mehrere Geschäftsfelder verteilen und ihre Strategie flexibel handhaben? Oder solche, die alle Kräfte auf ein Ziel ausrichten, zum Beispiel Kosten- oder Qualitätsführerschaft in einer Branche?

Die These: Wissenschaftler wie Michael Porter und Managementgurus wie Jim Collins lehren, dass erfolgreiche Firmen ihre Kernkompetenzen auf eine Branche und ein Ziel konzentrieren müssen. Nur so ließen sich Wettbewerbsvorteile erlangen. Folgerichtig werden Konglomerate am Kapitalmarkt heute meist mit einem Abschlag bewertet.

Die Gegenthese: Laut Michael Raynor haben strategisch eng fokussierte Unternehmen ein deutlich höheres Pleiterisiko als bislang angenommen. Ob eine solche Strategie zu schnellem Wachstum oder schnellem Niedergang führe, sei vor allem Glückssache.
Raynor: Die einzelnen Geschäftseinheiten eines Unternehmens sollten sich durchaus auf klare, mutige Strategien festlegen und die dadurch mögliche höhere Rendite abschöpfen. Der CEO wiederum sollte auf der Grundlage verschiedener Zukunftsszenarien überblicken, welche Risiken mit diesen Einzelstrategien verbunden sind, und wenn nötig für Ausgleich sorgen. Außerdem sollte er gegenüber dem Finanzmarkt das Risikoprofil des Konzerns kommunizieren.

mm: Wo liegt der Unterschied zur heutigen Rolle des Vorstandschefs?

Raynor: Heute legt meist der CEO selbst das ganze Unternehmen auf eine Strategie fest und verkauft die Strategie auch nach außen. Das Modell Steve Jobs eben.

mm: Das entspricht durchaus der herrschenden Meinung unter Anlegern: Die Risikostreuung sollte nicht das einzelne Unternehmen erledigen. Das mache ich lieber selbst, indem ich verschiedene klar fokussierte Firmen in mein Portfolio aufnehme.

Raynor: Sicher, und wenn sich ein Unternehmen deshalb ganz auf eine Strategie festlegen will und sich die Anleger des Risikos bewusst sind - warum nicht. Aber meiner Meinung nach werden die enormen Kosten, die mit falschen strategischen Festlegungen einhergehen, derzeit systematisch unterschätzt. Unsere Studie hat ergeben, dass 30 Prozent aller Unternehmenspleiten durch falsche Strategien entstehen.

mm: Welche Firmen sind für Sie Vorbilder in Sachen strategische Flexibilität?

Raynor: Zum Beispiel der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson, in dem die einzelnen Unternehmenssparten große strategische Freiheit genießen. Oder auch Microsoft. Zwischen 1994 und 2005 hat sich Microsoft an über 200 verschiedenen Firmen beteiligt. Bill Gates wusste damals: Das Internet würde die Computerwelt verändern. Aber er wusste nicht, in welcher Weise. Also hat er mit den Beteiligungen möglichst viele strategische Optionen geschaffen, von denen er nur einige schlussendlich ausgeübt hat. Der Erfolg gibt ihm recht.

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