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manager magazin



10.06.2007
 

Gesellschaft

Der Anti-Methusalem

Von Christian Rickens

Anfang dieses Jahres verstarb der Volkswirt und Soziologe Karl Otto Hondrich. Sein letztes Werk ist eine lesenswerte Attacke gegen das allgegenwärtige demografische Panikgeschrei.

Erkenntniswert: Am 16. Januar starb in Frankfurt der einflussreiche Volkswirt und Soziologe Karl Otto Hondrich, kurz nachdem er die Arbeit an diesem Buch abgeschlossen hatte. Doch anders als das jüngste Werk John Naisbitts hat "Weniger sind mehr" nichts von einem abgeklärten Alterswerk. Voller Angriffslust reitet Hondrich eine Attacke gegen jene demografische Untergangsstimmung, die in Deutschland von Feuilletonisten wie Frank Schirrmacher ("Minimum") und Demografen wie Herwig Birg ("Die ausgefallene Generation") angeheizt wird.


Karl Otto Hondrich: "Weniger sind mehr. Warum der Geburtenrückgang ein Glücksfall für unsere Gesellschaft ist."; Campus, 280 Seiten, 19,90 Euro.

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Deren Glauben, mit dem Absinken der Geburtenrate unter das bestandserhaltende Maß von 2,1 drohe Deutschland der Niedergang, hält Hondrich für vulgärdarwinistischen Unfug. Statt nur auf die Geburtenrate zu schielen, entwirft er eine Art "magisches Viereck" aus Geburtenrate, Produktivitätswachstum, Zuwanderung und Erwerbsbeteiligung von Frauen. Erst wenn alle vier Größen zusammen betrachtet würden, sei eine Aussage über die Zukunftsperspektiven einer Gesellschaft überhaupt zulässig. Eine These, die er gut begründen kann.

Stil: Trotz seines wissenschaftlichen Hintergrunds schreibt Hondrich sehr verständlich. Über weite Strecken argumentiert er aus soziologisch-systemtheoretischer Sicht. Wenn sich Hondrich allerdings auf volkswirtschaftliches Terrain vorwagt, schleichen sich bisweilen Unschärfen ein. Bei der Betrachtung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage in einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft differenziert er zum Beispiel zu wenig zwischen quantitativer Veränderung (weniger Konsumenten) und qualitativer Veränderung (mehr Rollstuhlkäufer).

Nutzwert: Wer sich als Investor leichtfertig von populären demografischen Untergangsszenarien beeindrucken lässt, unterschätzt massiv die Zukunftschancen Deutschlands und Europas. Dieses Buch liefert ein überfälliges Gegengift.

rot rot statt orange seit März 2006, da neues Heftlayout

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